Berlin - Kanzlerkandidaten kamen keine am Donnerstagabend ins Zeltlager am Reichstag. Dafür hatten die Klima-Aktivisten zum Ablauf ihres Ultimatums um 19 Uhr drei Eisblöcke aufgebaut, die Annalena Baerbock (Grüne), Armin Laschet (CDU) und Olaf Scholz (SPD) symbolisieren sollten. Schon zuvor hatten sie drei leere Stühle vor ein Pressezelt gestellt. „Die Kanzlerkandidaten haben immer noch nicht geantwortet“, sagte Hannah Lübbert, Sprecherin der Gruppe „Hungerstreik der letzten Generation“. Damit würden die verbliebenden zwei Hunger-Streikenden ihre Ankündigung wahr machen, auch nichts mehr zu trinken.

Ursprünglich hatten sieben Klima-Aktivisten seit 30. August den Hungerstreik angetreten, um mit den drei Kandidaten „ein längst überfälliges, ehrliches und öffentliches Gespräch über die Klimakrise zu führen“, wie sie sagten. Die Politiker hatten lediglich Einzelgespräche nach der Wahl angeboten, kein gemeinsames davor.

Sechs der Hungernden waren im Laufe der vergangenen drei Wochen ausgestiegen, aus medizinischen oder psychischen Gründen. Übrig blieb am Ende der 21-jährige Henning Jeschke aus Greifswald, der mittlerweile von seiner Freundin im Hungerstreik unterstützt wird. Die beiden hatten angekündigt, fortan auch aufs Trinken zu verzichten. Hunger hält der menschliche Körper laut Ärzten wochenlang aus, Durst nur wenige Tage.

Offenbar werden die beiden Nicht-Trinkenden das Lager vor dem Paul-Löbe-Haus am Spreebogenpark räumen und den Hungerstreik an einem anderen Ort fortsetzen. „Unser eigentliches Ziel haben wir nicht erreicht, aber viel bewegt“, sagte die Aktivistin Mephisto, die wie fünf weitere Aktivisten ihr Fasten beendet hatte, auf ihrer Abschluss-Pressekonferenz, „trotzdem werden wir von der Politik weiter ignoriert.“ Deshalb lohne es sich nicht, dafür sein Leben in Gefahr zu bringen. „Die Klimabewegung braucht uns noch.“