Sulztal an der Weinstraße - Es ist ein Bild, das haften bleibt. Russlands Präsident Wladimir Putin tanzt auf der Hochzeit der österreichischen Außenministerin Karin Kneissl mit der frisch Vermählten. Die national und international kritisierte Einladung Kneissls nutzte der Kreml-Chef am Samstag für eine Image-Offensive.

Äußerst leutselig aufgelegt überreichte der 65-Jährige einen großen Blumenstrauß. Und er hatte auch noch zehn Don Kosaken dabei, die die 100 Gäste mit russischer Folklore unterhielten. „Ein historisch wertschätzender und freundschaftlicher Besuch des russischen Präsidenten Putin in der Steiermark!“, jubelte der Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache am Sonntag auf Facebook.

Kurz nach Putins Eintreffen hatte Österreichs 53-jährige Chefdiplomatin in einem malerisch gelegenen Gasthof nahe der slowenischen Grenze ihrem Lebensgefährten, dem Unternehmer Wolfgang Meilinger, das Ja-Wort gegeben. Das Ereignis - am beliebten Hochzeitstermin 18.8.18 - beschäftigte Politik und Medien auch am Tag danach.

„Mit ihrer unkonventionellen Hochzeits-Diplomatie rückt Kneissl Österreich zu Beginn der EU-Ratspräsidentschaft symbolisch ins prorussische Eck, wo die FPÖ seit ihrem Freundschaftsvertrag mit der Kreml-Partei ohnehin zu Hause ist“, befand die „Presse am Sonntag“.

„Befremdlich und naiv"

Auch Österreichs Opposition ist alarmiert. Der Europasprecher der Sozialdemokraten, Jörg Leichtfried, nannte es „befremdlich, naiv und geeignet, nachhaltigen Schaden an Österreichs außenpolitischer Position anzurichten“. Es stelle sich die Frage der unzulässigen Vermischung privater und öffentlicher Interessen. „Die Optik ist jedenfalls desaströs“, so Leichtfried.

Unbeirrt von dieser Kritik feierten die Gäste, darunter auch Österreichs Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP). Für die Vegetarierin Kneissl gab es als Hochzeitsmenü Kürbis-Tofu, für die anderen Gäste stand Rindfleisch oder Bio-Seesaibling auf der Karte.

Putin war am Mittag mit seiner Präsidentenmaschine auf dem etwa 50 Kilometer entfernten Flughafen Graz gelandet und mit einer Wagenkolonne auf der gesperrten Autobahn zum Ort der Trauung gefahren.

Der Präsident habe bei der Hochzeit einen längeren Trinkspruch auf Deutsch gehalten, sagte sein Sprecher Dmitri Peskow. Als Geschenke habe er dem Brautpaar ein Bild mit einem ländlichen Motiv, eine alte Ölpresse und einen Samowar aus der Stadt Tula mitgebracht. Kritik an dem Besuch verstehe der Kreml nicht, sagte Peskow. Kneissl habe den Präsidenten bei seinem letzten Besuch in Wien eingeladen. „Und Putin hat diese Einladung mit Dankbarkeit genutzt.“

Nach rund 90 Minuten brach der russische Präsident wieder auf. Kurz nutzte die Rückfahrt Putins zum Flughafen für ein Vier-Augen-Gespräch. Nach Angaben des Kanzleramts ging es um die internationalen Krisen. Am Abend traf Putin in weniger aufgeräumter Atmosphäre Kanzlerin Angela Merkel in Schloss Meseberg bei Berlin.