Berlin - An diesem Donnerstagvormittag stellt Papst Franziskus seine mit Spannung erwartete Umwelt-Enzyklika vor. Es ist das erste dieser wichtigen Rundschreiben, das er als alleiniger Autor verantwortet – und schon jetzt ist anhand kursierender Entwürfe klar, dass er in seinem rund 200 Seiten starken Werk mehrere Kräfte, Gruppen und womöglich sogar Einzelpersonen kritisiert. Ein Überblick über alle, denen Franziskus heute auf die Füße treten wird.

1. … der Kohle- und Erdöl-Industrie

Schon als vor Monaten ruchbar wurde, dass Papst Franziskus sich Umweltverschmutzung und Klimawandel widmen würde, reagierten Erdöl- und Kohle-Branche besonders nervös. Eine Delegation des Exxon-Konzerns wurde flugs im Vatikan vorstellig, auch andere Lobbyisten wollten Schlimmeres verhindern. Doch wie zuvor der G7-Gipfel der westlichen Staatschefs in Bayern, wird nun auch Franziskus sehr konkret: „Fossile Brennstoffe müssen ohne Zögern ersetzt werden“, schreibt er etwa. Die Menschheit müsse ihre Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen dringend beenden. In Deutschland lobten ihn nach Bekanntwerden erster Entwürfe bereits mehrere Umweltgruppen für den „Weckruf zum Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas“, wie der BUND erklärte. „Die Enzyklika kommt genau zum richtigen Zeitpunkt“, sagte BUND-Chef Hubert Weiger. Mit dieser Enzyklika werde der Papst all jene bestärken, die den Umstieg von fossilen auf erneuerbare Energien voranbringen. Die Enzyklika sei auch ein deutliche Aufforderung an die Ende 2015 in Paris stattfindende Weltklimakonferenz, das Ende des fossilen Energiezeitalters einzuläuten. 

2. … der internationalen Politik

Bewusst und ausdrücklich setzt der Papst die Enzyklika als Signal vor den Pariser UN-Klimagipfel im Dezember, auf dem die Regierungschefs neue Klimaziele beschließen sollen, um die Erderwärmung zu stoppen. Die Stimme wird des Papstes weltweit gehört, Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon umwirbt Franziskus bereits als Helfer für die nächste Klimarunde, diesen Herbst in Paris. Franziskus seinerseits appelliert in der Enzyklika an die internationale Politik, sich nicht der Wirtschaft unterzuordnen. Er macht die Politik verantwortlich für die Misere aus Umwelt- und Klimazerstörung, Artensterben und dem Leiden der Ärmsten unter den Folgen – erwartet aber offenbar kaum Besserung von dieser Seite. Nicht ohne Einfluss ist ein Papst auch auf die US-Politik – vor allem, weil dort Präsidentschaftswahlen anstehen. Wähler der Republikaner glauben überdurchschnittlich häufig, dass der Klimawandel ein völlig natürliches Phänomen ist.

3. … den Wirtschaftsriesen und Konzernen

Sogar der Erzbischof von Washington betonte schon, dass Franziskus‘ Gedanke an Umweltschutz sicher wichtig sei, jedoch „die wirtschaftliche Entwicklung nicht gefährden“ dürfe. Das unterstreicht den Schreck, der in die Wirtschaft fuhr - von den Energiekonzernen und Autobauern über Agrargiganten und Geldhäuser bis hin zu Wirtschaftsverbänden. Sie fürchten, das mühsam von ihnen gehegte Meinungsklima vor allem in den USA könnte zu kippen beginnen.

4. … den Neoliberalen und Turbo-Kapitalisten

Franziskus halten nicht nur Hardcore-Kapitalisten längst für einen verkappten Marxisten, seit er die Auswüchse des Kapitalismus angeprangert hatte – auch in dieser Enzyklika betont er, dass Wasser und Luft Gemeingüter sein müssten, er geißelt die Konsumgesellschaft und die globalisierte Technikgläubigkeit und warnt vor der Gentechnik in der Landwirtschaft. Nicht einmal das Privateigentum hält er für „absolut und unantastbar“ – tatsächlich sei „die Unterordnung des Privateigentums unter das Gemeinwohl (sogar) die goldene Regel“ des Zusammenlebens.