Jennifer Morgan: Großer Auftritt von Baerbocks Klimaschützerin in Ägypten

Ex-Greenpeace-Aktivistin Jennifer Lee Morgan kämpft seit Jahren für Klimaschutz. Mit ihrem Regierungsposten kann sie bei der Weltlimakonferenz Einfluss nehmen.

Verhandelt bei der Weltklimakonferenz: Jennifer Morgan, Sonderbeauftragte für internationale Klimapolitik im Auswärtigen Amt.
Verhandelt bei der Weltklimakonferenz: Jennifer Morgan, Sonderbeauftragte für internationale Klimapolitik im Auswärtigen Amt.Imago/Thomas Imo

Ihre Geschichte als Umweltschützerin begann 1989 mit einem Buch der Ur-Grünen Petra Kelly. Dieses war 1983 im Rheinland veröffentlicht worden. Jennifer Morgan las „Um Hoffnung kämpfen“ sechs Jahre später in Washington. 23 Jahre jung war die gebürtige Amerikanerin damals alt, studierte Politik und Germanistik.  Nach der Lektüre, erzählt sie immer wieder, sei sie eine andere gewesen. „Verschiedene Ideen, die ich separat in meinem Kopf hatte, fügten sich zusammen: feministische Politik, Umweltpolitik, der Kampf gegen Atomkraft“, sagt sie. „Ich wusste, dass ich selbst Politik machen will.“

Morgan und Petra Kelly haben einmal kurz miteinander gesprochen. Die Grünen-Politikerin war 1990 auf Vorlesereise in den USA. Damals hatte Jennifer Morgan, die ihre Abschlussarbeit im Studium über Umwelt als Paradigma der Außenpolitik schrieb, ihren Weg schon eingeschlagen.

In Washington arbeitete sie für verschiedene Klima- und Umweltorganisationen, leitete unter anderem das weltweite Campaigning des WWF. Später ist sie Chefin von Greenpeace International geworden. 2022 holte sie Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) als Sonderbeauftragte für internationale Klimapolitik ins Auswärtigen Amt, und diese Woche steht sie vor der Aufgabe ihres Lebens.

Die 56-Jährige sitzt die nächsten zwei Wochen am Verhandlungstisch der Weltklimakonferenz und kann etwas bewegen. Die Erwartungen an die einstige Klimaaktivistin sind dementsprechend groß. Allein schon, ob sie die Diplomatie des politischen Auftritts beherrscht. Als sie noch Greenpeace International leitete, war sie bekannt für scharfe Worte. Doch Morgan gilt auch als eine Pragmatikerin, die keine Regeln bricht, aber das Meiste rausholen möchte. Und sie könne gut zuhören, sagt man über sie.

Viele erhoffen sich eine große Strahlkraft von der Weltklimakonferenz im ägyptischen Scharm el-Scheich. Im Fokus der COP27 steht die konkrete Umsetzung der bereits 2015 im Pariser Klimaabkommen vereinbarten Ziele für mehr Klimaschutz, allen voran die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius. Doch ob sich alle Länder auf den, wenn auch kleinsten gemeinsamen Nenner einigen, wird sich zeigen.

„Leicht wird es sicherlich nicht“, sagte Morgan, die seit 2003 in Berlin lebt, vor der Konferenz dem Spiegel. Sie aber kämpfe für jedes Zehntelgrad weniger Erwärmung und für eine Allianz der Willigen. Ein Balanceakt: Ihre einstige Organisation Greenpeace wirft der deutschen Regierung am Rande der Klimakonferenz gerade vor, derzeit die Glaubwürdigkeit beim Klimaschutz zu verspielen, wegen des Umgangs mit der Energiekrise. Morgan muss Vertrauen zurückgewinnen.