Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) sieht Erdgas im Hinblick auf den Klimawandel nicht mehr als Übergangstechnologie und will deshalb gegen mehrere Energieprojekte vorgehen. Der Grund: Der Methan-Ausstoß ist zu hoch, die deutschen Klimaziele können bei einer weiteren Nutzung von Erdgas nicht erreicht werden. DUH-Geschäftsführer Sascha Müller-Kraenner gibt an, dass neueste wissenschaftliche Erkenntnisse ein Umdenken erforderten. Er sagte der Berliner Zeitung: „Die Datenlage hat sich geändert. Es gibt neue Studien, wonach durch den Methanaustritt bei der Erdgasförderung die Klimabilanz nicht besser ist als bei Kohle.“ Daher sei eine vollständige Abkehr vom Erdgas erforderlich: „Das bedeutet, dass sich die Hoffnung, dass Erdgas im Hinblick auf den Klima-Wandel eine Übergangstechnologie ist, nicht erfüllt hat.“ Müller-Kraenner fordert einen grundsätzlichen Kurswechsel: „Die Bundesregierung und die Länder sollten alle Infrastrukturprojekte hinsichtlich ihrer Klimaverträglichkeit neu evaluieren.“

Als erste trifft der Bannstrahl der DUH nun die Pipeline Nord Stream 2. Die DUH hat im Rahmen der sogenannten Verbandsklagen am Freitag Widerspruch gegen die eben erst erteilte Baugenehmigung der Pipeline für die deutschen Gewässer eingelegt und der Stopp der Bauarbeiten erzwungen. Am Dienstag fuhren nach Informationen dieser Zeitung keine Verlegeschiffe mehr aus dem Fährhafen Mukran in Sassnitz. Müller-Kraenner sieht Nord Stream 2 als besonders problematisch an: „Hochgerechnet würden etwa 13 Prozent des gesamten deutschen CO2-Ausstoßes von der Pipeline kommen. Wir wollen den CO2-Ausstoß senken. Nord Stream 2 ist ein großen Problem im Hinblick auf unsere Klima-Ziele.“ Die DUH erwartet, dass Nord Stream 2 nicht weitergebaut werden kann: „Unsere Anwälte sind zuversichtlich, dass wir mit unserem Widerspruch recht behalten werden.“ Der Widerspruch ist erst der erste Schritt im Kampf der DUH gegen Nord Stream 2: „Wir schließen nicht aus, gegen Nord Stream 2 bis zum Bundesverwaltungsgericht zu ziehen.“ Es geht der DUH um einen Kurswechsel der deutschen Politik: „Wir hoffen im Hinblick auf Nord Stream 2 angesichts der neuen Klimaziele auf ein Umdenken aller Beteiligten.“

Die DUH will auch die möglichen Flüssiggas-Importe aus den USA über die geplanten LNG-Terminals in Brunsbüttel und Stade stoppen. Müller-Kraenner: „Wir gehen auch gegen alle drei Flüssiggas-Terminals vor. Diese sind naturschutzrechtlich hoch problematisch und nicht wirtschaftlich.“