Berlin - In Deutschland Starkregen, auf anderen Erdteilen lebensgefährliche Hitze – in Spanien 48 Grad Celsius und in den USA stellenweise 54 Grad Celsius. Das Wetter spielt verrückt. Dabei warnt die Wissenschaft schon seit vielen Jahren vor zunehmenden Schäden in Deutschland infolge der Klimakrise. Die Ursachen kennt sie auch. 

Tote und Vermisste, eingestürzte Häuser und überflutete Städte – der Westen Deutschlands erlebte jetzt extreme Niederschläge. Die Unwetter wurden ausgelöst durch den sogenannten Jetstream. Das ist ein Starkwindband in großer Höhe, das in unseren Breiten die Tief- und Hochdruckgebiete normalerweise über uns hinweg lenkt. Der Jetstream wird angetrieben durch die Temperaturunterschiede zwischen dem Nordpol und dem Äquator.

Doch weil der Nordpolbereich sich in den vergangenen Jahren durch den Klimawandel deutlich schneller erwärmt hat als der Äquatorbereich, ist der Temperaturunterschied kleiner geworden. Dadurch hat sich der Antrieb des Jetstream abgeschwächt. Dadurch können Wetterlagen über längere Zeit an einem Ort bleiben und extreme Bedingungen schaffen. „Das Problem ist gar nicht die Wetterlage an sich, sondern dass sie über lange Zeit bestehen bleibt“, sagt Peter Hoffmann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) begründet das damit, dass sich ein Tiefdruckgebiet über dem Westen Deutschlands „festgefressen“ hat. Im umgekehrten Fall – also wenn ein Hoch von Tiefs „eingekesselt“ wird – kommt es zu extremer Hitze und Dürre.

Der DWD rechnet für die Zukunft mit mehr Stürmen, extremen Regenfällen und Hitzewellen aufgrund der Klimaerwärmung – also „mehr Extremwetter“. Der dortige Klima-Analyst, Florian Imbery, zur Berliner Zeitung: „Zwar ist es schwierig, einen Zusammenhang zwischen einem einzelnen, per Definition extremen Ereignis und dem Klima herzustellen. Aber die beobachtete Häufung solcher Ereignisse kann inzwischen als Indiz dafür gewertet werden, dass die Annahme vieler Klimaforscher stimmt.“ Er fügte hinzu: „Diese Annahme lautet, dass Extremwetter mit steigenden Temperaturen weiter zunehmen wird – beim Starkregen wie bei der Hitze.“ Laut Imbery ist der jüngste Starkregen „ein unglaublich extremes Ereignis, das in der Regel eine Widerkehrzeit von weit über 100 Jahren hat.“ 

Greta Thunberg warnt vor der Zunahme von Extremwetter

Der Deutsche Wetterdienst gab allerdings am Donnerstag Entwarnung. Die extremen Niederschläge seien vorerst vorbei. Das Unwetterpotenzial sinke, sagte DWD-Meteorologe Marco Manitta. Das gilt auch für Berlin und Brandenburg. Am Freitag und Sonnabend kann es allerdings kräftige Gewitter geben. Es sei nicht ausgeschlossen, dass örtlich auch mal der eine oder andere Keller volllaufe. Weggespülte Straßenzüge wie in Teilen Westdeutschlands seien aber nicht zu erwarten.  

In Deutschland wie im Ausland werden die Ereignisse mit Sorge gesehen. Die Klimaaktivistin Greta Thunberg mahnte am Donnerstag: Die Hochwasserkatastrophe sei ein Hinweis für die Zunahme von Extremwetterereignissen. Die 18-Jährige twitterte: „Tödliche Hitzewellen, Überschwemmungen, Stürme, Waldbrände, Dürren, Ernteausfälle ... das ist nicht das neue Normal. Wir stehen ganz am Anfang eines klimatischen und ökologischen Notfalls, und Extremwetterereignisse werden nur immer häufiger werden.“

Die Ereignisse zeigen, mit welcher Wucht die Folgen des Klimawandels uns alle treffen können.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze

Auch die deutsche Klimaaktivistin Luisa Neubauer kritisierte, dass diese Ereignisse nicht näher mit der Klimakrise in Verbindung gebracht würden. „Man kann schon über das Hochwasser sprechen, ohne auf die eindeutigen Zusammenhänge zwischen diesen Extremen und der Klimakrise einzugehen.“ Doch damit überhöre man die Wissenschaft und produziere eine immer stärkere Klimakrise, schrieb sie auf Twitter.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) schrieb auf Twitter: „Der Klimawandel ist in Deutschland angekommen. Die Ereignisse zeigen, mit welcher Wucht die Folgen des Klimawandels uns alle treffen können.“