Für Klimaaktivisten ist klar, wer nun handeln muss: Die Anführer der westlichen Industrienationen. 
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MadridBei der UN-Klimakonferenz in Madrid sind die Fronten bei einem wichtigen Verhandlungsthema offenbar verhärtet. Bei der Überprüfung des sogenannten Warschau-Mechanismus (WIM) für klimabedingte Schäden und Verluste beharrten die USA auf der Forderung, rechtliche Ansprüche der Entwicklungsländer auf Entschädigungen bei Klimaschäden auszuschließen, sagte die Klima-Referentin von Brot für die Welt, Sabine Minninger, am Dienstag unter Berufung auf Verhandlungskreise der Nachrichtenagentur AFP.

Konkret geht es um den Paragrafen 51 in einem Anhang des Pariser Klimaabkommens, dem sogenannten Entscheidungspapier. Darin wurde festgehalten, dass der Paragraf des Paris-Abkommens zu klimabedingten Schäden und Verlusten keine rechtliche Grundlage für Entschädigungen darstelle.

Die USA verlangen laut Minninger nun, dass diese Feststellung als Ergebnis der WIM-Überprüfung festgehalten werde. Auf die dringende Forderung der Entwicklungsländer nach weiteren Hilfen und einem eigenen Finanzierungsmechanismus für Schäden und Verluste wollten die USA wie auch andere Industrieländer hingegen gar nicht eingehen. Die ärmsten Staaten der Welt seien aber „auf einen Fonds und zusätzliche Finanzierung angewiesen, um bereits eintretende Klimaschäden zu bewältigen“, sagte Minninger. „Die Forderung der USA, die von mehreren Industriestaaten mitgetragen wird, ist eine Provokation und ignoriert die Lebensrealität der ärmsten Bevölkerungsgruppen in der Klimakrise“, kritisierte sie.

In den verbleibenden Verhandlungstagen müsse Deutschland sich mit der EU „in dieser Frage an die Seite der Entwicklungsländer stellen und deutlich zum Ausdruck bringen, dass man Verantwortung übernimmt für die Klimakrise“. Der Umgang mit klimabedingten Schäden und Verlusten zählt zu den Knackpunkten der bis Freitag angesetzten Verhandlungen in Madrid.

Zwar gibt es bereits mehrere Fonds, die die Entwicklungsländer beim Kampf gegen den Klimawandel und bei der Anpassung an die Erderwärmung unterstützen. Aber die  Industrieländer fürchten, dass bei festen Zusagen für die Bewältigung von Klimaschäden enorme Kosten auf sie zukommen.

Die USA haben im November ihren Ausstieg aus dem Pariser Abkommen eingeleitet. Formal kann der Ausstieg aber erst am 4. November 2020 erfolgen - einen Tag nach der nächsten US-Präsidentschaftswahl. Bis dahin verhandeln die Vereinigten Staaten über die Ausgestaltung und Umsetzung des Pariser Abkommens mit.