München - Papst Franziskus hat am Donnerstag das Rücktrittsgesuch des Münchner Kardinals und Erzbischofs Reinhard Marx abgelehnt. Das ist eine schlechte Nachricht für die katholische Kirche in Deutschland. Einmal mehr sieht es jetzt so aus, als ob die handelnden Personen dieser Kirche vor allem eigene Interessen verfolgen. Reinhard Marx hat wenig erreicht, aber großen Schaden angerichtet.

Es ist wie bei einem strategischen Spiel. Man stellt seine Figur in Position und hofft, die anderen damit zu Handlungen zu zwingen, die einem selbst nützen könnten. So jedenfalls wirkt das, was sich gerade bei der Kirche abspielt. Derweil laufen der Kirche die Gläubigen weiter in Scharen davon.

Marx hatte den Papst erst kürzlich gebeten, seinen Verzicht auf das Amt des Erzbischofs von München und Freising anzunehmen und über seine weitere Verwendung zu entscheiden. Kurz bevor dieser Aufpasser nach Köln schickte, um das Handeln des Kölner Kardinals in der Aufarbeitung des Umgangs mit Missbrauch zu überprüfen.

In einem Brief schrieb Marx, es gehe ihm darum, Mitverantwortung zu tragen für die Katastrophe des sexuellen Missbrauchs durch Amtsträger der Kirche in den vergangenen Jahrzehnten. Die katholische Kirche sei an einem „toten Punkt“ angekommen. Mit seinem Amtsverzicht könne vielleicht ein persönliches Zeichen gesetzt werden für neue Anfänge.

Schrieb Marx und zielte auf den von ihm ungeliebten Woelki, der mit seiner Art der Aufarbeitung die aktuelle Austrittswelle in Deutschland ausgelöst hat, aber selbst keinen Rücktritt anbietet. So jedenfalls musste man Zeitpunkt und Umstände deuten. Nur vor dieser Folie des sich weigernden Woelki ergab das Marx’sche Rücktrittsgesuch überhaupt einen Sinn.

Den toten Punkt gibt es auch nach Franziskus’ Antwort noch immer. Nichts ist gelöst. Schlimmer noch. Marx bleibt im Amt, Woelki ebenso. Offenbar ist niemand bereit, Verantwortung zu übernehmen. Die Unfähigkeit dieser Kirche, aus eigener Kraft einen neuen Kurs einzuschlagen bei der Aufarbeitung des systematischen Versagens im Umgang mit sexuellem Missbrauch, wird einmal mehr bestätigt. Das macht einen sprachlos.