Über den Unfall eines Reisebusses auf der Autobahn A9 sind erste Einzelheiten bekannt geworden. Wie ein Beteiligter des Unfalls berichtete, geriet der Bus unmittelbar nach dem Aufprall in Brand. Die Ermittler gehen bis jetzt offiziell von 18 Toten aus, zwei Menschen sollen sich in Lebensgefahr befinden. 

Unter den Fahrgästen waren auch vier Brandenburger. Sie seien in Senftenberg am Morgen zugestiegen und hätten das Unglück überlebt, teilte das Innenministerium in Potsdam am Montag mit. Nun seien sie alle in Krankenhäusern. 

Busfahrer war ausgezeichnet für unfallfreies Fahren

Unter den Toten soll auch der Busfahrer sein, der am Steuer saß. Ein zweiter Fahrer, der sich im Bus befand, überlebte. Der Sattelschlepper, auf den der Bus mit der Reisegruppe aus Sachsen auffuhr, habe Kissen und Matratzen an Bord gehabt, leicht brennbares Material also. Der Fahrer überlebte unverletzt, erlitt aber einen Schock.

Der Reisebus gehörte einem Unternehmen aus Sachsen. Das Fahrzeug sei drei Jahre alt gewesen und zuletzt im April ohne Beanstandungen vom TÜV geprüft worden, teilten der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (bdo) und der Landesverband des Sächsischen Verkehrsgewerbes (LSV) mit. Er sei vorschriftsmäßig mit zwei Fahrern unterwegs gewesen. Der Kollege, der zum Zeitpunkt des Aufpralls am Steuer saß, war demnach seit mehr als zehn Jahren bei dem Unternehmen beschäftigt und 2013 für langjähriges unfallfreies und sicheres Fahren ausgezeichnet worden. Er hatte zuletzt im November 2016 ein Fahrsicherheitstraining gemacht.

Zehn Minuten nach dem Alarm waren die ersten Helfer vor Ort, dem Bus konnten sie sich nicht mehr nähern - er stand komplett in Flammen. „Es ist völlig unklar, wie der Bus so schnell in Brand geraten konnte“, sagte einer der Helfer. 30 Menschen konnten sich aus dem Bus retten, 18 starben in den Flammen. Die Zahl ist jedoch nicht gesichert, denn es konnten erst elf Leichen geborgen werden. Die Leichen von weiteren sieben Menschen der Senioren-Reisegruppe aus Dresden werden noch in dem Wrack vermutet.

Die Flammen breiteten sich so schnell aus, dass sogar ein angrenzendes Waldstück in Brand geriet. Die Menschen im Bus starben in den Flammen, weil sie sich nicht schnell genug in Sicherheit bringen konnten. Die Rettungskräfte vor Ort sind seit Stunden damit beschäftigt, die Toten zu bergen. Verkehrsminister Alexander Dobrindt machte sich vor Ort ein Bild der Lage. Er erklärte, dass der Bus leicht schräg auf den Sattelschlepper auffuhr, die Anstoßgeschwindigkeit sei nur gering gewesen.

An der Unfallstelle bei Münchberg-Süd besteht eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 120 Stundenkilometern. Der Sattelschlepper soll im sich stauenden Verkehr vermutlich nicht schneller als 50 gefahren sein. Die Unfallstelle ist weiträumig abgesperrt, der Verkehr auf der A9 unterbrochen.

Anfang der Neunzigerjahre hatte sich fünf Kilometer vom Unfallort entfernt in der Münchberger Senke ein schwerer Auffahrunfall ereignet. Damals starben zwölf Menschen. Einige von den freiwilligen Helfern, die damals im Einsatz waren, waren auch am Montag wieder dabei. (BLZ)