Sie steht neben einem Kollegen, hält wie er die Kamera auf rennende Flüchtlinge, die eine Polizeisperre durchbrochen haben. Eine Sekunde später hebt sie ein Bein, direkt vor einen Mann, der ein Kind auf dem Arm hat. Er stolpert, stürzt auf die Wiese. Es ist die fast routinierte Beiläufigkeit, mit der die ungarische Kamerafrau den Mann zu Fall bringt, die einem am erstaunlichsten erscheint.

Die Szene am ungarischen Grenzübergang Röszke, die ein deutscher RTL-Journalist gefilmt und per Twitter verbreitet hat, hat inzwischen für die Kündigung der Kamerafrau gesorgt. Die Kollegin habe sich "inakzeptabel verhalten", schrieb der der Chefredakteur des Internetfernsehsenders N1TV, für den die Frau arbeitete. Man kann mutmaßen, dass die entschiedene Reaktion auch damit zu tun hat, dass das Video in den sozialen Netzwerken seit Dienstagnachmittag für Empörung sorgt. N1 TV steht der rechtsextremen ungarischen Partei Jobbik nahe.

Zweites Video

Inzwischen ist ein zweites Video aufgetaucht, auf dem die Kamerafrau nach zwei Kindern tritt, die zusammen mit anderen Menschen über ein Feld rennen. Die Aufnahmen waren entstanden, als hunderte Flüchtlinge am Dienstag eine Polizeiabsperrung durchbrachen. Sie hatten bei dem Grenzort Röszke im Süden Ungarns stundenlang auf ihre Registrierung gewartet und wollten sich nun zu Fuß auf den Weg nach Norden machen. Polizisten folgten den Menschen, ließen sie aber weiterziehen.

Der Sammelpunkt nahe des Dorfes Röszke liegt hinter dem einzigen Durchlass in dem Zaun, der die Grenze Ungarns zu Serbien abriegelt. Die Situation in dem Erstregistrierungslager ist kritisch, die Menschen schlafen teilweise unter freiem Himmel, sie werden kaum versorgt. Über die Grenze von Serbien sind seit Anfang des Jahres mehr als 165.000 Flüchtlinge nach Ungarn gekommen. Die meisten wollen nach Deutschland oder Österreich weiter. (mit dpa)