Der Hardliner John Bolton könnte eine Wendung im Impeachment-Verfahren einleiten.
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BerlinIn der klassischen Tragödie wird die Peripetie als Spannungselement eingesetzt: Kurz vor dem Ende des Stücks nimmt die Handlung eine überraschende Wendung. So scheint es auch im Impeachment-Verfahren gegen Donald Trump zu sein. Der Prozess nähert sich mit hohem Tempo seiner Einstellung – da springt plötzlich Ex-Sicherheitsberater John Bolton auf die Bühne und präsentiert den definitiven Beweis für die Schuld des Präsidenten.

Zum strahlenden Helden in dem Schmierenstück der Ukraine-Affäre taugt Bolton sicher nicht. Er ist ein ultra-konservativer Kriegstreiber. Auch hätte er seine Aussage bei den Anhörungen des Repräsentantenhauses machen können. Vielmehr finden sich seine Vorwürfe nun eher zufällig in einem Buchmanuskript. Genau das aber erhöht die Glaubwürdigkeit des Zeugen: Der 71-jährige Hardliner hat keinen Grund, den Demokraten zu helfen.

In einer normalen Welt könnte kein aufrechter Republikaner Boltons Aussage beiseitewischen. Immerhin widerspricht der Ex-Sicherheitsberater dem Präsidenten diametral: Trump behauptet, er habe nie Druck auf den ukrainischen Präsidenten ausgeübt, Ermittlungen gegen seinen Rivalen Joe Biden einzuleiten. Laut Bolton hat Trump ihm selbst gesagt, dass er deswegen die Militärhilfe zurückhielt. Das müsste die Wendung sein, eigentlich.

Doch ob es so kommt, ist mehr als fraglich. Die Führung der Republikaner will Bolton nicht einmal als Zeugen anhören. Die Richter im Impeachment-Prozess sind zu offenen Komplizen des Täters geworden. Wenn sie damit durchkommen, muss man sich ernsthaft Sorgen machen um die amerikanische Demokratie.