Köln - Wetterextreme werden zunehmen, prophezeite Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) schon vor zehn Jahren in dieser Zeitung. Mit der globalen Erwärmung steige zugleich auch die Niederschlagsmenge pro Tag. Bei Unwettern wie in den letzten Tagen liegt die Vermutung nahe, dass es sich um Folgen des Klimawandels handelt. Aber ist das tatsächlich so?

Bislang waren Klimaforscher immer sehr zurückhaltend, wenn es um die Erklärung aktueller Wetterereignisse, deren Ursachen sehr zufällig sein können, mit den für Jahrzehnte berechneten Modellen gelten. „Die globale Erwärmung verursacht mehr Wetterextreme, so wie Rauchen mehr Lungenkrebs verursacht“, sagt Rahmstorf zu der aktuellen Wetterlage. Sei einmal der Lungenkrebs festgestellt, wisse man aber zwangsläufig nicht, ob nun das Rauchen oder doch ein anderer Faktor verantwortlich sei. Andererseits haben Klimaforscher Indizien  gesammelt, dass extreme Regenfälle noch stärker zunehmen als bislang angenommen wurde.

Es wird ungemütlich

Als Muster dient hierbei ein Tiefdruckgebiet, das 2014 für die starken Regenfälle über dem Balkan verantwortlich war. Es verharrte sehr lange über die Region, zu lange, um von einem gewöhnlichen Phänomen zu sprechen, denn solche Tiefdruckgebiete ziehen gewöhnlich nach einigen Tagen weiter. Doch dieses lag fünf Tage über der Balkanregion, mit verheerenden Folgen. Es folgten schwere Überschwemmungen nach dem anhaltenden Starkregen.

Untersucht hatte dieses Phänomen ein Forscherteam um Lisa Stadtherr vom PIK. Ihre Schlussfolgerung: der Jetstream, ein Band stabiler Winde in der Höhe, klemmt immer häufiger fest.  Deshalb verharren die Tiefs viel länger über einem Gebiet und bringen viel, viel Regen. So wie auch jetzt über Deutschland. Co-Autor Rahmstorf sagt: „Ich mache mir Sorgen, dass der laufende Klimawandel günstigere Bedingungen für diese Art von Resonanzereignissen schafft.“

Konkret heißt dies: Der Klimawandel ist auch in Deutschland angekommen. Ungemütlich wird es nicht nur für die anderen, sondern auch hierzulande.