Der Strand von Palma de Mallorca.
Foto: Jaime Reina/AFP

Madrid„Das Geschäft läuft sehr ruhig“, sagt Marga Roca, die Chefkellnerin in der Cafeteria des Club Náutico im Hafen von Palma. Am Samstagmorgen vor drei Wochen öffnete die Cafeteria wieder, nach zwei Monaten Zwangspause. Um zehn nach neun kamen die ersten Gäste, ein Ehepaar. „Ich war noch dabei, die Tische abzuwischen. Ich habe sie begrüßt: Herzlichen Glückwunsch, Sie sind die Ersten! ‚Ach wirklich, die Ersten?‘ Sie haben Fotos gemacht, einen café con leche und einen cortadito bestellt, und den Blick aufs Meer genossen.“

Die gewöhnlichsten Verrichtungen werden in diesen Wochen zum Ereignis. Auf Mallorca noch mehr als anderswo. Kaum ein anderes Land hat solch strenge Ausgangssperren hinter sich wie Spanien, während doch das entspannte Leben auf der Straße das Geschäftsmodell von Orten wie Palma ist. Das Wetter ist gut, aber die Stimmung immer noch trüb. „Im Club Náutico“, sagt Marga Roca, „ist es sehr traurig.“

Zu anderen Zeiten hat man auf Mallorca gerne Klagen über die Touristenfluten gehört. Eine Bürgerinitiative in Palma nennt sich „Die Stadt denen, die sie bewohnen!“, zu ihr gehört Manel Domènech. Ihm gefällt es, dass sich die Natur erholt hat, dass Delfine in der Bucht von Palma schwimmen, dass Enten in die Stadt gekommen sind.

„Mehr als Traurigkeit habe ich Ruhe und Frieden empfunden“, sagt er. Er hege keinen Hass auf Touristen, „überhaupt nicht“, aber jetzt sei der richtige Zeitpunkt, um über die Zukunft der Insel nachzudenken, über den Abschied von der touristischen Monokultur, über Diversifikation. „Ich habe das Gefühl, dass nichts bleiben kann, wie es war. Mehr als ein Gefühl ist es ein Wunsch.“

Eduardo Murillo, Rezeptionist in einem Hotel an der Playa de Palma, sieht das anders. „Etwas Außergewöhnliches ist geschehen, und es wird wieder vorbeigehen, und dann kehren wir zur Normalität zurück. Mallorca ist ein Touristenort und wird es bleiben, ganz gleich, was gerade gesagt wird.“ Noch aber gehört die Playa de Palma Leuten wie ihm, denen die dort wohnen und (normalerweise) arbeiten. „Am Strand spielen jetzt die Afrikaner Fußball, die sonst ihre Waren an Touristen verkaufen“, erzählt Murillo. „Andere sitzen im Sand wie in einem Park. Es ist voll, aber nicht überfüllt.“ Was fehlt, sind Touristen.

Frühestens ab dem 22. Juni werden wieder Gäste aus dem Rest Spaniens kommen, Ausländer ab dem 1. Juli, mit Ausnahme von 6000 Deutschen, die in der zweiten Junihälfte an einem Urlaubspilotprojekt teilnehmen dürfen. Aber noch sind die Hotels geschlossen und der Bierkönig und der Megapark und der Ballermann. „Alles auf Stand-by“, sagt Murillo. „Vielleicht werden wir bis nächstes Jahr keine Arbeit haben, vielleicht geht alles in diesem Juli wieder los“, befürchtet er. „Ob die Hotels wieder aufmachen oder nicht, wird nicht vom Datum abhängen, sondern von der Zahl der Reservierungen.“

Gute Geschäfte macht zurzeit niemand auf Mallorca. Marga Roca schätzt den Umsatz ihrer Cafeteria im Club Náutico auf 20 bis 25 Prozent im Vergleich zu Vor-Corona-Zeiten. Ihre Chefin, Eugenia Cusí, kalkuliert mit ähnlichen Zahlen: „Der Handel auf Mallorca macht 75 Prozent seines Geschäfts mit Gästen und den Rest mit Einheimischen. In Restaurationsbetrieben dürfte es etwa das selbe Verhältnis sein.“ Schön also, dass bald wieder Gäste kommen – die hoffentlich nicht das Virus mitbringen. 

Die Balearen gehören innerhalb Spaniens zu den Regionen mit wenig Infizierten. „Wir sind ein sicheres Ziel“, sagt Cusí, „aber auch ein verletzliches.“ Cusí bekommt von den Regierenden (die sie im Falle der Balearen ganz gut kennt) den Eindruck, „dass wir uns nicht mit großem Verantwortungsbewusstsein auf das vorbereiten, was da auf uns zukommen mag“.

Peter Berghoff, der bis vor kurzem ein deutsches Ärztezentrum an der Playa de Palma betrieb, hält die Erwartung, dass nun bald der Massentourismus nach Mallorca zurückkehrt, für „völlig unrealistisch“. „Stellen Sie sich mal vor, einer hustet im Bierkönig“, sagt er. Sein Ärztezentrum hat er am 1. Juni geschlossen, weil er vorerst nicht mit großer Kundschaft rechnet. Er hat noch ein anderes Standbein, eine Hausverwaltung. Die läuft gut. „Jetzt kommen die ganzen Anfragen von Leuten, die hier Häuser haben“, berichtet er. „Sie sagen: Wir dürfen jetzt kommen. Können Sie das bitte vorbereiten?“ Weniger Ballermann, mehr Landidyll, so könnte dieser Sommer auf Mallorca werden.