Rukla - Ein Berg Heu auf dem Kopf, das ist die komische Komponente auf diesem kalten Kasernenhof. Zwei Soldaten stehen da auf einer weiten verschneiten Fläche, dekoriert mit Stroh, als kämen sie gerade von einem Karnevalszug oder von einem dieser Traditions-Umzüge zum Winteraustreiben. Komisch. Wenn da nicht die Gewehre wären.

Und wenn da nicht die Panzer neben ihnen wären, die Militärlastwagen, die Dutzenden Soldaten in Habachtstellung, auf diesem Kasernenhof in Litauen, ein paar Dutzend Kilometer entfernt von der Grenze zu Russland.

Litauen wird geschützt

Und auf einer tarnnetzummantelten Bühne steht die litauische Präsidentin Dalia Grybauskaite im blauen Wollmantel und sagt: „Aggressive Taten sind Realität in dieser Region.“ Die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen neben ihr versichert, Litauen werde „beschützt von der großartigsten militärischen Allianz unserer Zeiten“.

Im litauischen Rukla haben 230 deutsche und belgische Soldaten gerade ihren Dienst angetreten, als Teil eines Nato-Bataillons zum Schutz der litauischen Grenze. Es ist ein Einschnitt. die Vorhut für 1000 Nato-Soldaten, die hier in den nächsten Monaten stationiert werden sollen.

Weitere Bataillone in Lettland, Litauen und Polen

Die Nato hat den Einsatz im Juli vergangenen Jahres beschlossen. Weitere Bataillone stehen in Lettland, Litauen und Polen. Die Länder haben um Hilfe gebeten, die Annexion der Krim, der Krieg in der Ukraine hat Befürchtungen geweckt vor einem Einmarsch Russlands.

Moskau hat seinerseits im Herbst atomwaffenfähige Raketen nach Kaliningrad verlegt, das im Süden an Litauen grenzt. Übungen – so nennen beide Seiten ihre Militäraktionen. Abschreckung, das ist die Idee, die vermittelt werden soll.

Zufriedenheit anderer Länder ist uns egal

Hart und kühl tritt Grybauskaite auf: Sicherheit wolle sie für ihr Land, fordert sie und fügt hinzu: „Die Zufriedenheit anderer Länder ist uns egal.“ Von der Leyens Rolle ist die der Zuversichtlichen: „Wir sind hier, um deutlich zu machen, dass wir Schwierigkeiten am Verhandlungstisch lösen wollen.“

Sie strahlt sogar ein wenig Enthusiasmus aus: Es sei „ein ganz besonderer Tag“ für Deutschland, sagt sie und erinnert an die Geschichte Litauens, in dem die Nazis vor 70 Jahren gewütet haben. Deutschland habe viel Leid über das Land gebracht, umso mehr wiege es nun, dass man hier nun als Schutz akzeptiert werde.

„Niemals wieder wird Litauen alleine stehen"

Die Freiheit der Litauer sei immer wieder bedroht und eingeschränkt worden, von den Nazis, von der Sowjetunion, bis sich das Land 1990 für unabhängig erklärt hat. „Niemals wieder wird Litauen alleine stehen“, sagt von der Leyen. „Wir stehen zusammen, damit das litauische Volk ohne Furcht leben kann.“

Eine andere Furcht mischt sich an dieser Stelle noch hinein: Die der Nato-Mitgliedsländer vor einem Ausstieg der USA. Der neue US-Präsident Donald Trump hat den Militärbund schließlich für obsolet erklärt. Man stehe hier Seite an Seite „mit unseren amerikanischen Freunden“, betont von der Leyen. Und sie wiederholt auch hier, dass es schon lange klar sei, dass auch die europäischen Partner einen größeren Beitrag leisten müssten in der Nato.
Ein Trupp US-Soldaten ist auch vor Ort, auch sie stehen zum Besuch der Ministerin und der Präsidentin in der kalten Wintersonne stramm. Ganz am Rande des Hofes stehen sie, ein kleiner Teil nur der Truppe.

„Wir hoffen, keine Russen zu sehen"

Sie nehmen an einer anderen Übung teil. Ein Nato-Kommandeur ist extra angereist. „Lang lebe die Nato“, ruft er zum Abschluss seiner Begrüßungsrede und als er bei dem US-Trupp vorbeikommt, klopft er deren Kommandeur auf  die Schulter.

Auch Grybauskaite grüßt die Soldaten. „Einen guten Aufenthalt“, wünscht sie. „Und hoffentlich einen friedlichen.“ Ein deutscher Soldat steht in einem Tarnzelt und ergänzt: „Wir hoffen, keine Russen zu sehen.“