Robert Habeck, derzeit in Washington und den USA unterwegs. 
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WashingtonDie Begrüßung war nicht gerade bescheiden. Als „Super-Held“ des Kampfes gegen den Klimawandel wurde Grünen-Chef Robert Habeck am Freitagmorgen gemeinsam mit dem ehemaligen kalifornischen Gouverneur Jerry Brown in Washington begrüßt. Zwar winkte Habeck bescheiden ab, aber das Publikum applaudierte. Man befand sich bei der linken Denkfabrik „Center for American Progress“ des einstigen Clinton-Wahlkampfmangers John Podesta auf befreundetem Terrain.

Dass die erste Frage mehr als 6000 Kilometer von der Heimat seinem deftigen Auftritt in Davos galt, schien den deutschen Talkshow-Liebling gleichwohl zu überraschen. Noch bemerkenswerter aber war die Reaktion des 81-jährigen Brown, der ein Vorkämpfer für die erneuerbaren Energien in den USA ist und bis zu seinem Ausscheiden aus dem Amt vor einem Jahr der wichtigste politische Gegenspieler des US-Präsidenten beim Streit über das Pariser Klima-Schutzabkommens war. Was Trump zum Thema von sich gebe, sei „unerhört“, sagte Brown, aber: „Wir dürfen uns nicht auf Trump konzentrieren, denn er ist nicht das Problem.“

Robert Habeck verteidigt seine Kritik

Das klang deutlich politischer als Habecks fassungslose Empörung nach der Trump-Rede beim Weltwirtschaftsforum in Davos. „Er ist der einzige, der es hier nicht verstanden hat“, hatte Habeck dort die Rede von Trump kritisiert und den US-Präsidenten als „Gegner“ bezeichnet, der für alle Probleme stehe, „die wir haben“. In Washington verteidigte der Grünen-Chef seine Äußerungen: Beim Wirtschaftsforum habe eine absolut konstruktive Atmosphäre zwischen Vertretern der Industrie und Umweltschützern geherrscht: „Das war wirklich ernsthaft.“ Trump habe mit seinen Äußerungen „keinen Respekt für diesen zerbrechlichen Ansatz“ gezeigt: „Ich fand das wirklich deprimierend.“

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Niemand würde Brown irgendwelche Sympathien für den amtierenden US-Präsidenten nachsagen. Trotzdem reagierte der Demokrat deutlich differenzierter auf die Frage nach seiner Haltung: „Wir müssen einen Schritt zurücktreten und anerkennen, dass Trump einen großen Teil von Amerika repräsentiert“, sagte Brown. Die „Cowboy-Wirtschaftspolitik“ und die „Vulgarität“ des Milliardärs, der „einen gewissen Charme und Chuzpe“ besäße, übten eine „dunkle Anziehung“ auf einen Teil der Bevölkerung aus. Brown erinnerte daran, dass die Zustimmungsraten des Präsidenten immer noch über 40 Prozent liegen.

Ein "sehr undiplomatisches, erhellendes Gespräch"

„Das ist nicht gut, aber wir können damit kreativ umgehen“, warb der Amerikaner. Man müsse Trumps unerhörte Äußerungen ad Absurdum führen. So müssten die Kritiker klar machen, dass Untätigkeit beim Klimaschutz das Land am Ende viel teurer komme. Zugleich müsse man globale Bündnisse schmieden und verdeutlichen, „dass die Umwelt allen gehört“. Der Appell des Ex-Gouverneurs klang wie eine leise Distanzierung von Habeck: „Das Fingerzeigen auf Putin oder Trump bringt uns nicht weiter“, sagte Brown: „Wir müssen einen anderen gesellschaftlichen Ansatz finden.

Die Habeck-Kritik ist offenbar im US Außenministerium kritisch gewürdigt worden. Zumindest berichtete das Habeck nach einem Termin in der Europa-Abteilung des Ministeriums.  Habeck sagte am Freitag in der amerikanischen Hauptstadt vor deutschen Journalisten, in der Abteilung habe man seine Kommentierung der Trump-Rede in Davos als „nicht angemessen“ kritisiert. „Das hat zu einem sehr undiplomatischen, offenen und dadurch sehr ehrlichen und sehr erhellenden Gespräch geführt.“

Robert Habeck fühlt sich in seiner Kritik bestätigt

Dabei sei deutlich geworden, „dass es nicht um Rhetorik geht, sondern in Wahrheit um unterschiedliche politische Ansätze“. Habeck sagte über sein Gespräch im US-Außenministerium: „Die haben gesagt: So, wir wollen jetzt hier nicht so darüber reden, als ob alles in großer Butter wäre, sondern wir wollen einfach mal klarstellen, dass wir mitgekriegt haben, wie du die Rede unseres Präsidenten kommentiert hast. Und das und das und das sehen wir anders.“ Dann habe er in dem einstündigen Gespräch seine Sicht dargestellt. „Dass man das sozusagen mal im direkten Austausch so herausarbeitet war gut - und hat mir geholfen. Ob es der Administration hilft, wage ich nicht zu beurteilen. Aber sagen wir so: Die Annahmen, die man hatte, sind alle bestätigt worden.“

Habeck fügte hinzu, die Transatlantiker, die er bei seinem Besuch in Washington gesprochen habe, „fanden es gut und finden es richtig, dass die Auseinandersetzung mit der Trump-Administration geführt wird. Aus ihrer Erfahrung wurde immer wieder unterstrichen, dass man für Schweigsamkeit und Wegducken nichts bekommt, sondern nur die Ehrlichkeit der Auseinandersetzung belohnt wird.“ Habeck war am Mittwoch nach Washington gekommen. Am Freitag reiste er nach El Paso im US-Bundesstaat Texas weiter.