US-Botschafter John Emerson: Warum Donald Trump so schnell in Deutschland keine Rede halten wird

Nur noch eine gute Woche ist John Emerson der höchstrangige Vertreter der USA in Deutschland, doch er trägt es mit Fassung. Donald Trump hat verfügt, dass alle Botschafter ihre Posten  – anders als jahrzehntelang üblich – sofort räumen müssen. Keine Anstandsphase für Obamas Leute, lieber bleiben die Botschaften ein paar Wochen führungslos.

Der Kalifornier Emerson, 62, der erst seit dreieinhalb Jahren in Berlin ist, wäre gern länger geblieben, sagt er ohne Bitterkeit. Nun will er in die Wirtschaft wechseln, aber politisch aktiv bleiben – und kehrt mit Frau und Töchtern heim: in ein Land, das sich womöglich grundlegend ändert.

Herr Botschafter, in zwei Wochen endet Ihre Amtszeit in Berlin. In welcher Stimmung verlassen Sie Deutschland?

Es ist ein bittersüßes Gefühl. Das Schöne sind die Abschiedsbesuche überall im Land, die Essen mit Freunden. Traurig bin ich, weil es mir immer eine Ehre war, gerade in dieser Zeit hier zu sein. Aber Botschafterposten enden oft nicht, wann man es sich wünscht. Wir hatten fest eingeplant, noch ein halbes Jahr zu bleiben, wäre die Wahl anders ausgegangen. Nun kam es anders. Aber wir haben eine Wohnung in Charlottenburg gekauft und kommen privat wieder.

Die Umstände haben sich nicht nur in Ihrer Heimat geändert. Vor Weihnachten gab es in Berlin den ersten großen islamistischen Anschlag. Spüren Sie eine Veränderung in Deutschland?

In meinen drei Jahren hier gab es viele Einschnitte – vom NSA-Skandal gleich am Anfang meiner Amtszeit, die Annexion der Krim, den Aufstieg des „Islamischen Staats“, die Ankunft des islamistischen Terrors in Europa, die Finanzkrise, die Flüchtlingsbewegung. Die Tragödie vom Breitscheidplatz war etwas, das wir alle verhindern wollten. Aber jeder wusste, dass es Menschen gibt, die unsere Bevölkerung und unsere Art zu leben angreifen. Insofern war es ein Schock, aber nach den Anschlägen in den USA, in Frankreich und Belgien nicht völlig überraschend.

Sie sehen keine Zäsur?

Nein. Viele Deutsche haben mir nach den Anschlägen von Paris gesagt: Das war unser 11. September. Das habe ich jetzt nicht gehört. Aber die Tragödie zeigt einmal mehr, dass wir in einer Welt leben, in der Sicherheitskräfte und Geheimdienste eng kooperieren müssen. Beeindruckt hat mich die Reaktion der Berliner: Sie haben den Weihnachtsmarkt nicht geschlossen, gingen weiter einkaufen, haben Silvester am Brandenburger Tor gefeiert. Das haben wir auch in den USA gelernt: Wir müssen uns schützen, aber nicht aufhören, unser Leben zu leben. Sonst gewinnen diese Menschen.

Wenn Sie am 20. Januar in Kalifornien landen, hat Donald Trump nur Stunden zuvor den Amtseid abgelegt. Fürchten Sie, in ein fremdes Land zurückzukehren?

Ich gebe zu: Ich habe Trumps Sieg nicht erwartet. Aber ich habe immer vorhergesagt, dass es sehr knapp wird. Unsere Gesellschaft ist schon lange stark polarisiert. Viele Amerikaner fühlen sich angesichts der schnellen Veränderung durch Globalisierung und Digitalisierung zurückgelassen. Sie finden, die Regierung tut nicht genug, um ihre Lage zu verbessern. Nun waren viele Wähler offenbar so frustriert, dass sie den Spieltisch einfach umwerfen und einen kompletten Außenseiter ins Weiße Haus bringen wollten.