Bereits im Frühjahr hat es in mehreren amerikanischen Städten zum Teil gewalttätige Aufmärsche ultrarechter Gruppen gegeben. Anlass war – wie jetzt in Charlottesville – manchmal die Entfernung von Konföderierten-Denkmälern; manchmal war es auch nur der Versuch, nach dem Amtsantritt Trumps Präsenz zu zeigen. Zu beobachten war schon dort eine Allianz zwischen Rassisten, Neonazis, republikanischen Trump-Anhängern und Vertretern der sogenannten Alternative-Right-Bewegung. Die auch kurz Alt Right genannte Bewegung ist – wie die Neue Rechte in Deutschland und Westeuropa – eine Melange aus rechten Ideologen, Verschwörungstheoretikern und Antisemiten, die über das Internet und die sozialen Medien ihre Thesen verbreitet und indirekt zu Gewalt aufruft.

In der Vergangenheit hatte es in den USA ein Tabu im Umgang mit Rassisten gegeben. Republikaner brachen ihre Zusammenarbeit mit Rechten meist umgehend ab, wenn deren rassistische Äußerungen öffentlich bekannt wurden. Das habe sich verändert, schrieb der US-Journalist und Rechtsextremismus-Experte Spencer Sunshine kürzlich in einem Artikel. Die Stimmung, die Trump nach seinem Wahlsieg geschaffen habe, habe dieses Tabu ins Wanken gebracht, so Spencer. Es gebe nun eine neue Bewegung, die er „unabhängigen Trumpismus“ nennt und in der sich Neonazis, Alt-Right-Anhänger, selbst ernannte „Patrioten“ und republikanische Trumpanhänger tummeln.

Mitte April etwa versammelten sich in Berkeley Neonazis, Alt-Right-Aktivisten und Mitglieder der aus aktiven und ehemaligen Soldaten und Polizisten gebildeten paramilitärischen Gruppe Oath Keepers. Ganz offen wurde der Hitlergruß gezeigt. Zwei Wochen später fand in Portland ein Aufmarsch von Rassisten und Alt-Right-Anhängern statt, an dem auch der Neonazi Jeremy Christian teilnahm. Christian erstach einen Monat später zwei Menschen in einem Zug nach Portland. Die Opfer hatten zwei muslimische Frauen schützen wollen, die der Neonazi beleidigt hatte.

Trumps Schulterschluss mit der ultrarechten Szene

Politische Analysten sagen, dass Trump in der heißen Wahlkampfphase 2016 ganz bewusst den Schulterschluss der ultrarechten Szene in den USA forciert hatte. Das deutlichste Signal dafür war die Berufung von Steve Bannon vor einem Jahr zum Wahlkampfstrategen. Im Weißen Haus stieg Bannon sogar zum Berater des Präsidenten auf. Bannon hat in den vergangenen Jahren seine Internetseite Breitbart News zum Diskussionsportal von Rassisten, Neonazis und Verschwörungstheoretikern ausgebaut. Die gemeinsame ideologische Plattform ist dabei der Ethnopluralismus, der vom Konzept einer „reinen weißen Rasse und Kultur“ ausgeht. Trumps Signal mit der Berufung Bannons wurde in der Szene verstanden.

Die Hetzreden des US-Präsidenten gegen mexikanische Einwanderer, Muslime und die Political Correctness der Medien seien „Musik in den Ohren einer Bewegung, die von einem weißen Amerika träumt“, erklärte die in Alabama ansässige Bürgerrechtsorganisation Southern Poverty Law Center. Sie zählte allein in den letzten beiden Monaten des Jahres, nach Trumps Wahlsieg Anfang November, mehr als 1000 rassistische Übergriffe, überwiegend auf Einwanderer, Afroamerikaner, Homosexuelle und Muslime. Die meisten ereigneten sich an Schulen, Universitäten und Arbeitsplätzen. Viele der Täter bezogen sich auf Wahlkampfslogans von Trump.