Einer von ihnen hat gute Aussichten auf eine Nominierung als demokratischer Präsidentschaftskandidat: Pete Buttigieg (l.) und Bernie Sanders.
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Berlin - Dante Scala ist ein gefragter Experte für die Vorwahlen der Parteien und kennt sich besonders gut mit den Primaries in New Hampshire aus.

Herr Scala, wie beeinflusst das Chaos der Vorwahlen der Demokraten in Iowa die ersten Primaries in New Hampshire?

Anfangs war ich mir nicht sicher, weil es keine Ergebnisse gab und jeder eine Art von Sieg erklärte. 48 Stunden später gab es Gewissheit, dass Iowa seine klassische Funktion der Vorauswahl erfüllt hat. Das Feld hat sich verkleinert. Iowa gab den Wählern die notwendigen Informationen zu den Kandidaten. Pete Buttigieg legte in den Umfragen kräftig zu, weil er die Erwartungen weit übertroffen hat. Joe Biden rutschte ab, weil er in Iowa enttäuschte. Bernie Sanders schnitt wie erwartet ab.

Die anderen Kandidaten können von dem Chaos nicht profitieren?

Die Geschichte in den Medien ist nun der Zweikampf zwischen dem progressiven Sanders und dem moderaten Buttigieg. Für Elizabeth Warren auf Platz drei wird es schwer, sich Gehör zu verschaffen. Das gilt in New Hampshire erst recht für Biden und Amy Klobuchar auf den nachfolgenden Plätzen.

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Also ist der Sieger in Iowa nicht um seinen Lohn betrogen worden?

Mindestens Buttigieg hat den Rückenwind bekommen, den er brauchte, um die Alternative zu Bernie zu werden. Dank seiner häufigen Besuche in New Hampshire, einer guten Organisation und einer Menge Geld für Fernsehwerbung ist er bestens positioniert. Bildlich gesprochen hatte er ein Boot hier stehen und nun bläst ihm der Wind in die Segel. Damit kann er weit kommen. Vor allem wenn noch viele Wähler unentschieden sind.

Hat Joe Biden noch eine Chance?

Er ist in Iowa so hart gestürzt und macht hier keine Anzeichen, sich wieder aufrichten zu können. Ihm steht der Wind in New Hampshire voll ins Gesicht. Wir sollten uns daran erinnern, dass Biden bei seinen früheren beiden Anläufen für die Präsidentschaftskandidaten der Demokraten niemals sehr weit kam. Von Hillary Clinton haben wir 2008 gelernt, dass ein Spitzenreiter sich von einem Fehlstart in die Vorwahlen kaum erholen kann.

Sanders vertritt die Linke, Buttigieg die Zentristen in der Partei. Wer hat bessere Aussichten eine Mehrheitskoalition in der Partei zu bilden?

Beide Kandidaten haben potenziell erhebliche Schwächen und müssen Hindernisse überwinden, um eine Mehrheit in der Demokratischen Partei zu gewinnen. Wenn Sanders in New Hampshire gewinnt, kontrolliert er den progressiven Flügel. Er hat eine starke Basis bei den Demokraten unter 35 Jahren, schwächelt aber mit älteren und moderaten Wählern. Und ist auch nicht gut aufgestellt bei den Minderheiten.

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Zur Person 

Dante Scala (48) studierte Politikwissenschaften an der University of Chicago, wo er auch promoviert wurde. Er lehrt an der University of New Hampshire und forscht unter anderem zum Prozess der amerikanischen Präsidentschaftsnominierung und zur Wahlkampffinanzierung.

Das gilt aber auch für „Mayor Pete“ ...

Stimmt. Buttigieg ist bei Latinos und Afroamerikanern bisher noch schwächer als Bernie. Aber wenn er in New Hampshire auch besser abschneidet als erwartet und vielleicht sogar gewinnt, werden diese Wähler ihn noch einmal genauer unter die Lupe nehmen. In den ethnisch gemischteren Staaten Nevada und South Carolina wartet auf ihn der erste Test. Der zweite kommt dann Anfang März beim Superdienstag.

Und dann ist da ja noch Michael Bloomberg, der in den ersten vier Bundesstaaten mit Vorwahlen nicht antrat. Kann er sich als Retter einer gespaltenen Partei anbieten?

Wenn sich ein Durchmarsch Sanders abzeichnet, könnten die Parteieliten ausrasten und sich als letzte Hoffnung an Bloomberg klammern. Das brächte die Progressiven noch mehr auf. Aber Vorwahlen gibt es erst seit 50 Jahren. Und wie wir vor vier Jahren mit Trump gesehen haben, kann immer etwas Unvorhergesehenes passieren. So gesehen bleibt es ein offenes Rennen.

So offen, dass es am Ende beim Parteitag in Milwaukee keinen Kandidaten mit einer Delegierten-Mehrheit gibt?

Ich halte das nicht für ausgeschlossen. Und wer weiß, vielleicht kommt dann Elizabeth Warren noch mal ins Spiel. Sie bietet sich ja als Kompromisskandidatin an. Sollte Sanders aber bei 40 bis 45 Prozent landen, wird die Partei es kaum wagen, ihm auf dem Parteitag die Nominierung zu verweigern.