Washington - Vorübergehend herrscht Ruhe an der außenpolitischen Twitter-Front. Donald Trump ist derzeit ganz damit beschäftigt, eine mit rassistischen Untertönen gespickte Kampagne gegen kritische US-Sportler zu befeuern. Am Wochenende aber hatte der amerikanische Präsident der kriegerischen Rhetorik freien Lauf gelassen: Wenn Nordkorea so weitermache, werde das Land „nicht mehr lange existieren“, drohte er am Samstag. Ein paar Stunden zuvor hatte er behauptet: „Der Iran hat gerade eine Mittelstreckenrakete getestet, die in der Lage ist, Israel zu erreichen. Sie arbeiten auch mit Nordkorea zusammen.“

Trumps Verbalattacken zeigen Wirkung – aber anders als gedacht

Nun zeigen die beiden Verbalattacken Wirkung – doch möglicherweise anders, als von Trump erwartet. Das autoritäre Regime in Pjöngjang lenkt keineswegs ein, sondern eskaliert den Streit weiter. „Das ist ganz klar eine Kriegserklärung“, sagte Außenminister Ri Yong Hu und drohte mit dem Abschuss amerikanischer Kampfjets auch außerhalb des eigenen Hoheitsbereichs. Trumps Angriffe auf den Iran wiederum stoßen auf den Widerstand der europäischen Staaten und Russlands. Zudem bezweifeln amerikanische Geheimdienstler, dass der angebliche Raketentest überhaupt stattgefunden hat.

Der von Trump befeuerte Krieg der Worte droht komplett außer Kontrolle zu geraten. „Wir haben Nordkorea nicht den Krieg erklärt“, betonte die Präsidenten-Sprecherin Sarah Sanders am Montag: „Die Unterstellung ist absurd.“ Das sieht man in Pjöngjang - tatsächlich oder aus taktischen Erwägungen – ganz anders. Nach Medienberichten baut das Land seine Verteidigungsstellungen an der Ostküste aus und hat auch Kampfflugzeuge dorthin verlegt. Es reagiert damit auf den demonstrativen Überflug mehrerer US-Langstreckenbomber im internationalen Luftraum vor seiner Küste.

Experten warnen vor der Gefahr, dass der Konflikt außer Kontrolle gerät. „Das habe ich immer befürchtet“, sagte Jae H. Ku, der Direktor der US-Korea-Instituts an der renommierten Johns-Hopkins-Universität, der New York Times: „Wenn wir diesen Weg einschlagen, könnte es zu irrtümlichen oder nicht so irrtümlichen Abschüssen kommen.“ An der grundsätzlichen Bereitschaft Nordkoreas dazu besteht unter Experten kein Zweifel. Schon 1969 hatte das Militär des Landes ein Marine-Erkundungsflugzeug der USA über dem Japanischen Meer vom Himmel geholt. Alle 31 Soldaten an Bord kamen ums Leben.

Militärisches Muskelspiel gefährdet diplomatische Lösung

Unstreitig ist auch, dass das eskalierende militärische Muskelspiel die Chancen auf eine diplomatische Lösung des Konflikts nicht vergrößern. Der UN-Sicherheitsrat hatte wegen des jüngsten Atomwaffentests die Sanktionen gegen Pjöngjang deutlich verschärft. Zudem setzte Trump Nordkorea auf die Liste der Länder, für die ein Einreiseverbot gilt. Diese PR-Aktion dürfte die kommunistischen Machthaber jedoch nicht beeindrucken: Die Bürger Nordkoreas können ihr Land ohnehin nicht einfach verlassen, und für Diplomaten sieht das Dekret eine Ausnahmeregelung vor.

Auch die Situation um den Iran ist durch Trumps Rhetorik verfahren. Der US-Präsident hatte das Land in seiner Rede vor den Vereinten Nationen zusammen mit Nordkorea zum „Schurkenstaat“ erklärt und ihm vorgeworfen, das 2015 geschlossene Atomabkommen zu verletzen. Alle anderen Beteiligten des Deals bescheinigen Teheran, den vereinbarten Verzicht auf die Entwicklung von Kernwaffen einzuhalten. Trump hält das Abkommen für eine „Schande für die USA“, da es den Iran nicht daran hindere, regionale Konflikte zu schüren und Mittelstreckenraketen zu testen.

Doch Trumps jüngster Beleg für diese These gerät nun stark ins Wanken: Der von Teheran verkündete Mittelstreckentest vom Samstag hat nämlich möglicherweise gar nicht stattgefunden.  Der konservative US-Sender Fox berichtete unter Bezug auf zwei US-Offizielle, das veröffentlichte Video stamme bereits vom 29. Januar dieses Jahres. Laut dem Sender CNN haben die US-Geheimdienste keinerlei Signale für einen Raketentest auf ihren Geräten empfangen. „Soweit wir das sehen können, hat der Test nicht stattgefunden“, zitiert der Sender einen US-Beamten.