Washington - Das gefällt Donald Trump gar nicht: Der designierte US-Präsident komplettiert sein Regierungsteam, will damit die Debatte in der Öffentlichkeit bestimmen. Doch ausgerechnet die CIA fährt ihm dabei in die Parade.

Medienberichten zufolge will der US-Geheimdienst neue Indizien gefunden haben, wonach Computer-Hacker mit Verbindung zur russischen Regierung Einfluss auf die Präsidentschaftswahl am 8. November genommen haben. Trump reagiert empört.

Er kritisiert aber nicht etwa die Russen, sondern den US-Dienst, dessen oberster Chef er bald sein wird: „Das sind dieselben Leute, die gesagt haben, dass Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen besitzt.“ So etwas haben die Amerikaner noch nie erlebt: Der Wahlsieger liegt schon vor Amtsantritt mit der mächtigen CIA im Clinch. Es herrscht Chaos.

Trumps Kritiker vor allem wegen der vielen Ex-Soldaten alarmiert

Die Enthüllungen, wonach es Bemühungen Russlands gegeben haben soll, Trump im Wahlkampf zu unterstützen, um den Wahlsieg seiner Konkurrentin Hillary Clinton zu verhindern, überdecken am Wochenende vollständig die Nachrichten über Trumps Ministerriege. Der Populist hat ein „Kabinett der Millionäre und Generäle“ zusammengestellt. Auf wichtige Posten in der künftigen US-Regierung rückt auf, wer entweder eine Uniform getragen, sich als loyaler Gefolgsmann des Immobilienmagnaten erwiesen, oder im Wahlkampf viel Geld gespendet hat.

Trumps Kritiker in den USA sind vor allem wegen der vielen Ex-Soldaten alarmiert. Der frühere General Michael Flynn wird als Nationaler Sicherheitsberater enormen Einfluss im Regierungsapparat bekommen. Ex-General John Kelly soll als Heimatschutzminister die Grenze zu Mexiko sichern und illegale Einwanderung unterbinden. Und in einem Bruch mit der Tradition, wonach Zivilisten das Pentagon leiten sollen, wird Ex-General James Mattis Verteidigungsminister. Der demokratische Senator Chris Murphy klagt: „Wir sollten in den vergangenen zwei Jahrzehnten gelernt haben, dass es zu einem Desaster führen kann, wenn die Probleme der Welt in erster Linie durch die militärische Brille betrachtet werden.“

Zentrale Posten an Finanzjongleure

Damit nicht genug. Trump hat sich im Wahlkampf als lautstarker Kritiker der Finanzjongleure von der Wall Street geriert, nur um jetzt zentrale Posten an Finanzjongleure zu vergeben. Steven Mnuchin, designierter Finanzminister, war Investmentbanker bei Goldman Sachs. Wilbur Ross, der das Wirtschaftsministerium leiten soll, hat mit dem Aufkauf kriselnder Unternehmen Milliarden verdient.

Beide zukünftigen Minister haben den Wahlkampf Trumps mit viel Geld unterstützt. Eine Spende von sechs Millionen US-Dollar hat auch zur Beförderung von Linda McMahon geführt. Die Republikanerin, die im Wrestling-Geschäft zu Geld gekommen ist, soll Beauftragte für kleinere und mittlere Unternehmen werden. Auch Andy Puzder, designierter Handelsminister, und Betsy DeVos, die für den Posten der Bildungsministerin vorgesehen ist, gehören zu den Großspendern.

In die Kategorie „Loyale Freunde, die es verdient haben, befördert zu werden“ gehört Jeff Sessions, bislang Senator für den Südstaat Alabama. Er soll Justizminister werden. Er ist wie die meisten anderen Kabinettsmitglieder ein älterer, weißer Mann. Weil Sessions in der Vergangenheit wenig Sympathie für Minderheiten zeigte und in seinem künftigen Amt auch die Bundespolizei FBI kontrollieren wird, fürchten Bürgerrechtler, dass sich das gesellschaftliche Klima in den USA verschlechtern könnte. Eine ähnliche Sorge treibt auch Umweltschützer um. Ausgerechnet Scott Pruitt, der daran zweifelt, dass menschliches Verhalten für den Klimawandel mit verantwortlich ist, soll neuer Chef der Umweltbehörde EPA werden.

„Vetternwirtschaft auf Steroiden“

Das neue Personal in Washington könnte schon bald zu Enttäuschung im Lager der Trump-Wähler führen. Der Bauunternehmer hat im Wahlkampf versprochen, den Sumpf in Washington trocken zu legen, in dem Korruption herrsche und eine Politikerkaste, die sich vom einfachen Volk entfernt habe.

Die Ministerriege, die sich Trump nach dem Wahlsieg zusammengestellt hat, spricht allerdings nicht dafür, dass er die Trockenlegungsbemühungen mit großem Engagement betreiben dürfte. Kritiker sprechen schon von „Vetternwirtschaft auf Steroiden“. Es lässt sich noch nicht sagen, ob es tatsächlich zu diesem von Liberalen beschworenen Schreckensszenario kommen wird. Aber das Chaos rund um die Regierungsbildung könnte kaum größer sein.

Denn es ist auch noch nicht auszumachen, welche Wirkung der Streit um die vermeintlichen russischen Hacker-Angriffe haben wird. Schon haben sich einige wichtige Republikaner im US-Kongress den Demokraten angeschlossen und rufen nach einer gründlichen Untersuchung der Vorwürfe. Diese zielten direkt auf „das Herz unserer freien Gesellschaft“. Trump dagegen bleibt sich treu. Die Sache sei einfach „lächerlich“, sagt er am Sonntag in einem Fernsehinterview.