US-Reise: Merkel-Besuch bei Donald Trump wegen Schneesturms verschoben

Berlin - Eigentlich sollten sie zur gleichen Zeit ankommen: Der Schneesturm aus Nordost und die Kanzlerin aus Deutschland wurden für 23 Uhr am Montagabend in Washington erwartet. Die denkbaren Überschriften „Frostiger Empfang für Merkel“ oder „Ein Tief namens Angela“ machten unter Journalisten schon die Runde. Doch daraus wird nichts. Am Montag um kurz vor 14 Uhr amerikanischer Zeit gab Sean Spicer, der Sprecher von US-Präsident Donald Trump bekannt: Der mit Spannung erwartete Besuch der deutschen Regierungschefin wird verschoben. In Berlin kletterten die mitreisenden Reporter aus Merkels Flieger.

Grund für die Absage ist tatsächlich das Wetter in Washington. Es hat zuletzt noch wildere Kapriolen geschlagen als der Mann im Weißen Haus. Wochenlang hatten Meteorologen die ungewöhnlich frühe Ankunft des Frühlings in der US-Hauptstadt bestaunt. Bei Temperaturen um 20 Grad sah man Passanten in kurzen Hosen und Sommerkleidchen. Voller Optimismus revidierten die Experten sogar ihre Prognosen für den Höhepunkt der Kirschblüte, einem jährlichen Spektakel: Am 14. März, ausgerechnet dem Tag der ersten Zusammenkunft von Merkel und US-Präsident Donald Trump, werde das rosafarbene Naturwunder seinen Höhepunkt erreichen.

Bis zu 20 Zentimeter Schnee werden erwartet

Und nun das: Seit Tagen stürzen die Temperaturen bis an oder unter den Gefrierpunkt. „Die Ruhe vor dem Sturm“, titelte die Washington Post am Montag. Bis zu 20 Zentimeter Schnee werden erwartet. Was in Berlin ein Schulterzucken verursacht, wäre für die wenig wintererfahrenen Washingtonians ein dramatisches Ereignis: Soviel Schnee fiel während des ganzen Winters nicht vom Himmel. Zudem wird nun ein gewaltiger Sturm erwartet.

Noch offen ist, welche Auswirkungen das Unwetter auf die Kirschblüte haben wird. Wenn der Frost ein paar Tage andauert, könnte ein Großteil der Blättchen zerstört werden. So schlimm soll der Schaden für das deutsch-amerikanische Verhältnis nicht Fall werden. Nach einem freundlichen Telefonat von Trump und Merkel wurde das Treffen umdisponiert. Spicer nannte den Freitag aus Ausweichtermin. In Berlin wurde bestätigt, dass man diesen Tag anstrebe. 

Derweil bereitet man sich in Washington auf den ungewohnten Schneesturm vor. „Ach, Ihr kommt aus Deutschland?“, begrüßt Uber-Fahrer Wunna seine Gäste: „Dann seid Ihr sicher für den großen Schnee gerüstet.“ Der Einbruch des Winters führt in der US-Hauptstadt regelmäßig zu chaotischen Szenen. Wunna ist fest entschlossen: „Ich lasse das Auto am Dienstag stehen. Das ist viel zu gefährlich.“