Es gibt nicht viel, auf das sich die Amerikaner zurzeit politisch einigen können; nicht auf Ideen, nicht auf Personen. Die Vereinigten Staaten sind ein zerrissenes Land, die politischen Gegner schenken sich nichts: Und jetzt ist es ausgerechnet eine schlechte, eine ernste Nachricht, welche die Lage für ein paar Stunden, vielleicht ein paar Tage ändert, die den politischen Ton verbindlicher macht. Denn Amerika bangt um John McCain, den 80-jährigen Senator der Republikaner; und Amerika tut das über alle politischen Teilungslinien hinweg.

Bei der Operation eines Blutgerinnsels über dem Auge entdeckten die Ärzte in Arizona, das in McCains Kopf ein bösartiger Hirntumor wächst. Es ist also ernst. Aber wann war das Leben John McCains nicht ernst?

Der schärfste Kritiker seiner Republikaner

Er ist, wenn man das so formulieren will, eigentlich immer der coolste Mann im amerikanischen Senat gewesen, auch deshalb, weil er so viel mehr erlebt hat als die meisten seiner Parteifreunde und Parteifeinde. Im Vietnamkrieg in den 60er-Jahren stürzte er mit seinem Kampfflugzeug über Hanoi ab, mit seinem Fallschirm landete er in einem See mitten in der Stadt. Danach hielten ihn die Vietnamesen jahrelang in Haft. Sie folterten und misshandelten ihn, er aber gab nicht nach. Nach Hause kam er zerschunden und fürs Leben gezeichnet.

Seither konnte er seine Arme nicht mehr über den Kopf heben, aber er blieb immer aufrecht. Trotz der Schmerzen und der Behinderungen. Und manchmal gerade deshalb. Er war der schärfste Kritiker seiner Republikaner und des republikanischen Präsidenten George W. Bush, wenn es um das Thema Folter ging, um das berüchtigte Waterboarding zum Beispiel.

McCain wünschte niemandem, was ihm in Vietnam widerfahren war. Der Kampf gegen die Folter ist noch heute sein großes Thema. Mit den Vietnamesen, auch mit seinem ehemaligen Gefängniswärter, hat er sich ausgesöhnt. Auch das hat er geschafft.

„Mach dem Krebs die Hölle heiß, John“ 

Nur Präsident seiner Vereinigten Staaten ist er nie geworden. Er trat gegen Obama an, das Ergebnis ist bekannt. Gegen Trump tritt er übrigens auch noch immer an, im Senat gilt der Republikaner McCain als schärfster parteiinterner Kritiker des Präsidenten. Nichtsdestotrotz versicherten Donald und Melania Trump gleich nach Bekanntwerden der Diagnose, dass sie für McCain beten.

Das ist gut. Aber Barack Obama, sein alter Konkurrent ums Weiße Haus, trifft McCains Ton doch ein bisschen besser. „Der Krebs weiß nicht, mit wem er es hier zu tun hat. Mach ihm die Hölle heiß, John.“