Washington - Der Mann saß auf einem der sensibelsten Posten der US-Regierung. Er hatte jederzeit Zugang zum Präsidenten und zu den wichtigsten Staatsgeheimnissen. Aber er hatte seine Chefs  belogen und sich erpressbar durch die russische Regierung gemacht. Trotzdem hielt US-Präsident Donald Trump im Februar zunächst an seinem Nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn fest. Er feuerte den schneidigen General erst, als die Sache durch einen Zeitungsbericht öffentlich wurde.

Flynn-Affäre könnte zum Problem für den US-Präsidenten werden

Nun könnte die Flynn-Affäre für Trump zu einem ernsten Problem werden. Die ehemalige Justizministerin Sally Yates hat nämlich vor einem Senatsgremium unter Eid ausgesagt, dass sie den Chefjustiziar des Weißen Hauses, Don McGahn, bereits am 26. Januar über verschwiegene Russland-Kontakte von Flynn unterrichtete. Das war eine Woche nach Trumps Amtsantritt.

„Wir wussten, dass Erklärungen von ihm gegenüber dem Vizepräsidenten (…) nicht der Wahrheit entsprachen“, sagte Yates, die als Generalbundesanwältin auch der Ermittlungsbehörde FBI vorgesetzt war: „Man möchte nicht, dass der Nationale Sicherheitsberater von den Russen erpresst werden kann.“

Von den Russen erpressbar? In den vergangenen Wochen hatte Trump alles getan, die erwiesenen russischen Hackerattacken gegen seine Konkurrentin Hillary Clinton im Wahlkampf herunterzuspielen und Berichte über eigene Moskau-Connection zu dementieren. „Die Geschichte von geheimen Absprachen zwischen Russland und Trump ist eine totale Ente. Wann wird diese vom Steuerzahler finanzierte Farce endlich ein Ende finden?“, twitterte er am Montag. Dass er jedoch offenkundig Warnungen der eigenen Ermittlungsbehörden vor anrüchigen Russland-Kontakten seines höchsten Sicherheitsberaters 18 Tage lang ignorierte und am 30. Januar – formal aus anderen Gründen - erst die Überbringerin der schlechten Nachricht feuerte, bevor er sich am 13. Februar dann von Flynn trennte, birgt erhebliche politische Brisanz.

Schon Obama feuerte Flynn

Der Fallschirmjäger Flynn war Leiter des militärischen Nachrichtendienstes Defense Intelligence Agency gewesen, bis ihn der damalige Präsident Barack Obama 2014 feuerte. Ein Jahr später ließ sich Flynn von „Russia Today“ dafür bezahlen, dass er an der Galaveranstaltung des Senders an der Seite von Präsident Wladimir Putin teilnahm.

Der General behauptete an anderer Stelle, die Scharia sei in den USA auf dem Vormarsch und Angst vor dem Islam sei rational. Im US-Wahlkampf wurde er zu einem glühenden Unterstützer und engen Berater Trumps.

Flynn versicherte US-Vizepräsident keine Kontakte nach Russland zu haben

In der Übergangsphase zwischen der Wahl im vorigen November und der Amtseinführung Trumps Ende Januar warnte der amtierende Präsident Barack Obama seinen Nachfolger vor Flynn. Dass Obama Flynn nicht besonders mochte, sei nicht überraschend gewesen, spielte Trumps Sprecher Sean Spicer am Montag die Mahnung herunter.

Trump berief Flynn trotzdem zum Sicherheitsberater. Entscheidend war, dass Flynn gegenüber Vizepräsident Mike Pence versicherte, er habe in der Übergangsphase keine Russland-Kontakte gehabt.

Yates Aussagen belasten Flynn

Das aber erweist sich nach den Aussagen von Ex-Justizministerin Yates nun als Lüge. Zwar nannte Yates wegen der Geheimhaltung keine Details. Doch nach amerikanischen Medienberichten existieren bei den US-Sicherheitsbehörden Mitschnitte eines Telefongesprächs von Flynn mit dem russischen Botschafter Sergej Kisljak, bei dem die Aufhebung der Russland-Sanktionen diskutiert wird.

Darüber informierte Yates offenbar das Weiße Haus am 26. Januar. Vier Tage später wurde sie gefeuert – weil sie Trumps Einreiseverbot für Muslime nicht verteidigen wollte.