Sie sind grau geworden, die Haare des Noch-Präsidenten. Die Ära Barack Obama hat Spuren hinterlassen, auch bei dem mittlerweile 55-Jährigen selbst.

Obamas Popularität ist ungebrochen

Und obwohl der erste schwarze Mr. President längst nicht die „Change“-Erwartungen erfüllt hat, die er 2008, als seine Haare noch schwarz waren, schürte: Obamas Popularität erreicht mit 55 Prozent kurz vor dem Ende seiner Amtszeit neue Spitzenwerte – das schafften vor ihm nur Ronald Reagan und Bill Clinton.

Man mag Obamas Nahost-Politik kritisieren, den Drohneneinsatz entsetzlich finden, seine Gesundheitsreform unvollkommen, die Versäumnisse in der Einwanderungspolitik folgenreich. Dennoch: Wir werden dich vermissen, Obama. Denn du gehörtest in vielerlei Hinsicht zu den außergewöhnlichsten Präsidenten der USA.

Unerschütterlich und cool

So kam Obama bereits im Wahlkampf 2008 bei den Amerikanern an, als er gegen John McCain antrat. Größer konnten die Unterschiede zwischen dem grundentspannten Herausforderer und dem großspurigen „Bomb Bomb Iran“-Vietnamveteran nicht sein.

„No Drama Obama“ wurde er etwa von Ex-Air-Force-Chef General Tony McPeak genannt. Und „No Drama Obama“ blieb sich treu: Eine Runde Basketball nach einem harten Tag.

Auf Spotify hat Obama mehrfach seinen Musikgeschmack hinterlegt: Da klang viel schwarze Musik, Hip-Hop und Jazz aus dem Weißen Haus. Sogar Zeilen von Rapper Kendrick Lamar konnte Obama zitieren.

Ganz cool wird Obama wohl auch seinen Ruhestand angehen: „Ich kann um 11.30 Uhr Bier trinken und Michelle wird es nicht mal mitbekommen“, sagte er über seine Pläne nach dem Amt im Spaß.

Das coolste Präsidentenpaar seit den Kennedys

Zusammen mit Michelle gilt Barack als das Power Couple schlechthin – das coolste Präsidentenpaar seit John F. und Jackie Kennedy, das sich locker mit „Fist Bumps“ begrüßte, zwei leicht zusammenstoßenden Fäusten. Das Modemagazin „Vanity Fair“ packte beide in diesem Jahr auf die Liste der best gekleideten Paare.

Die Obamas öffneten das Weiße Haus nicht nur für Rapper und Jazz, sie tanzten auch zusammen mit dem Star-Wars-Roboter R2D2 vor dem Kamin oder feierten Halloween mit Kindern. Ihren Töchtern Malia und Sasha, denen wir acht Jahre lang beim Aufwachsen zusehen durften, versuchten die Obamas so viel Normalität wie möglich zu geben. Wann immer möglich, aß Papa Barack pünktlich um 18.30 Uhr mit der Familie zu Abend.

Ein Präsident und Serienliebhaber

Ein Präsident, der öffentlich zugibt, Serien wie „Breaking Bad“ oder „Game of Thrones“ zu mögen, strahlt eine gewisse Anziehungskraft auf viele Amerikaner aus. Aber auch, weil der Präsident die Tür des Weißen Hauses nie so richtig zugemacht hat. So hatte Obama im vergangenen Jahr den 14-jährigen Ahmed zu sich eingeladen, dessen selbst gebaute Uhr in seiner Schule für eine Bombe gehalten wurde. Um sich die Uhr näher anzusehen.

Oder Till Brönner, Deutschlands bekanntesten Jazzer. Auch bei zahlreichen Late Night Talkern war der Präsident zu Gast, ließ sich von Zach Galifianakis hoch nehmen und gab sich selbstironisch.

Ein Präsident zum Anfassen

Natürlich war Obamas Zugänglichkeit wohl gesteuert von der Machtmaschine des Weißen Hauses – auch über digitale Kanäle. Kein Präsident vor ihm nutzte Social-Media-Plattformen so exzessiv wie Obama. Kinderbilder von sich selbst und Hochzeitsfotos auf Facebook, Selfies mit Staatsoberhäuptern, Obama lässig mit Sonnenbrille im Urlaubsdress.

Auf Youtube antwortete er auf Fragen, auf Twitter postete er coole Sprüche: „Es ist passiert: Die Cubs haben die World Series gewonnen. Lust ins Weiße Haus zu kommen, bevor ich gehe?“ twitterte er zuletzt in Richtung des Baseball-Teams Chicago Cubs, die erstmals seit 1908 den Titel holten. Sämtliche Konten werden nun an Obamas Nachfolger gehen, alle Posts entfernt.

Ein Platz in der Popkultur

Auch in der Popkultur hatte Obama von Anfang an einen festen Platz: Die beliebte US-Serie „The West Wing“ basiert auf Obamas Regierung, Schauspieler Will Smith kündigte an, Obama in einem Film spielen zu wollen, 2009 startete in London eine Comedy-Show, die über Obamas Wahlkampagne handelt. Und die berühmte Comic-Schmiede „Marvel“ veröffentlichte eine Sonderausgabe von Spider-Man zusammen mit dem Präsidenten, in der er Spidey cool mit seinem, wie soll es anders sein, „Fist Bumb“ begrüßt.