Manchmal gibt es das: Man steht morgens auf und die Welt hat sich verändert. Donald Trump ist jetzt der mächtigste Mann der Welt.

Die Entschlossenen haben über die Ambivalenten gesiegt. Donald Trump ist von denen gewählt worden, die einen Schlussstrich unter die gesellschaftliche Entwicklung der letzten dreißig Jahre ziehen wollten. Der hat nach ihrer Überzeugung nicht mehr Lebenschancen, nicht mehr gesellschaftliche Vielfalt und nicht mehr Bewusstsein über unsere nicht erneuerbare Lebensbedingungen gebracht.

Das ist eine Lüge, die von denen da oben in Politik, Presse und Prominenz verbreitet wird. In Wirklichkeit hat nach Ansicht einer langen steigenden Mehrheit die Entwicklung des letzten Vierteljahrhunderts mehr Ungleichheit, mehr Uneinigkeit und mehr Arroganz gebracht.

Der Mann mit den komischen Haaren und den sexuellen Problemen ist nicht allein von gering gebildeten, prekär beschäftigten und sozial entbetteten weißen Männern gewählt worden. Er hat vielmehr einen Aufstand der Verbitterten angeführt, dem sich Menschen aus allen Lebenslagen der US-amerikanischen Gesellschaft angeschlossen haben.

Wenn Hillary Clinton die USA zum grünen Modell des Westens machen wollte, hat Donald Trump mit Kohle und Stahl gekontert. Wenn sie auf die Chancen der Globalisierung hingewiesen hat, hat er den Mut zum Protektionismus gepriesen. Wenn die Demokraten aus dem Establishment die „moralische Mehrheit“ angesprochen hat, hat der Republikaner ohne Partei das beleidigte und gedemütigte Volk aufgerufen.

Clinton hat das Ausmaß dieser gesellschaftlichen Obdachlosigkeit unterschätzt

Die soziale Basis der Wählerinnen und Wähler von Donald Trump besteht aus Menschen, die sich mit lausigen Jobs, reduzierten Erwartungen und persönlichen Zumutungen abgespeist fühlen. Die soziale Verwundung in der amerikanischen Gesellschaft reduziert sich auf den „white Trash“. Die unglücklichen Leben sind einfach zu viel geworden und finden sich überall. Man arbeitet hart, befindet sich in Mehrfachbeschäftigung und versucht das Haushaltseinkommen zu kombinieren und kommt trotzdem nicht voran.

Das kann einem heute auch mit einem Abschluss auf Princeton und einer Herkunft aus Brooklyn passieren. Hillary Clinton hat das Ausmaß dieser gesellschaftlichen Obdachlosigkeit unterschätzt. Politikerinnen und Politiker, die nicht mehr anzubieten haben als das Management von Komplexität, werden von Frontleuten hinweggefegt, die große Veränderungen versprechen.

Donald Trump verfügt über diese narzisstische Empathie für die Enttäuschten und Beleidigten. Er braucht dieses Erlebnis der Aufpeitschung des Publikums, weil er seine empfundene Größe an der gefühlten Schwäche der Anderen gewinnt. Deshalb wird er tun, was er angekündigt hat. Er wird die Mauer nach Mexiko bauen. Er wird erhebliche Zölle auf Waren aus China, aus Korea und auch aus Deutschland erheben. Er wird das Atomabkommen mit dem Iran platzen lassen.

Trump fühlt sich nur dem amerikanischen Volk verbunden

Er hat auch kein schlechtes Gewissen darüber, weil er sich für das Volk, dem er aus dem Herzen spricht, verantwortlich fühlt. Nicht den Weltfrieden, nicht den Klimawandel, nicht den Welthandel, sondern einzig und allein dem amerikanischen Volk fühlt er sich verbunden, das einen Anspruch darauf hat, seine Größe wieder zu gewinnen.

Damit steht Donald Trump nicht allein. Nach dem Votum zum Brexit ist der Wahlausgang in den USA der Beginn eines neuen weltweiten Politikzyklus, der bald in Frankreich, in den Niederlanden und Österreich seine Fortsetzung finden kann. Die Menschen glauben nicht mehr, dass eine gute Gesellschaft eine Gesellschaft starker Einzelner ist.

Sie glauben nicht mehr, dass die Gewinner alles nehmen dürfen. Und sie wollen nicht mehr nur einbezogen werden, sie erwarten von politischer Führung vielmehr, dass diese die Vorstellung einer Zukunft hat, an die alle glauben können.

Ein Gastbeitrag von Heinz Bude