Berlin - In den vergangenen Tagen habe ich gehofft, dass alles nur ein Witz sein könnte. Comedy. Irgendwann wird Donald Trump an seinen Haaren ziehen, die Maske löst sich und dahinter kommt der Komiker Sacha Cohen Baron zum Vorschein. Cohen spielte in „Borat“ einen fiktiven Reporter und in „Der Diktator“ den fiktiven Herrscher der fiktiven Republik „Wadiya“. Jetzt spielte er womöglich den fiktiven Kandidaten „Donald Trump“, der Präsident wird. Ich fand das nicht abwegiger als das Wahlergebnis.

Mittlerweile halte ich mich an anderen Dingen fest. Mein erster amerikanischer Präsident, den ich bewusst erlebte, war Ronald Reagan. Damals hielten es viele für völlig verrückt und gefährlich, dass ein mittelmäßiger Schauspieler Präsident wird. Reagan war sozusagen der erste Trump. Später folgte Arnold Schwarzenegger, Gouverneur von Kalifornien.

Kein Urlaub in Trump-Country

Ich war in den 80er-Jahren Schüler in Ost-Berlin und habe Reagan gehasst. Anschließend habe ich übergangslos auch George Bush senior und George Bush junior gehasst. Ich finde, Präsidentenwahlen gehören nicht zu den Stärken der Amerikaner. Das verbindet sie mit den Russen. Trotzdem mag ich die USA und auch Russland, denn Präsidenten kommen und gehen.

Anderes aber, die wirklich wichtigen Dinge, die bleiben doch, oder? Zum Beispiel der unfassbare Blick vom New Yorker Stadtteil Queens über den East River auf die Skyline von Manhattan. Damit verbinde ich Amerika. Es nimmt mir jedes Mal den Atem, wenn ich dort stehe. Daran wird auch Trump nichts ändern.

Manche meiner Bekannten überlegen jetzt, die USA zu boykottieren. Kein Urlaub in Trump-Country. Selbst Amerikaner wollen aus Verzweiflung ihr Land boykottieren und denken an eine Flucht nach Kanada. Aber ich finde, man darf Amerika jetzt nicht so einfach verloren geben.

Deshalb möchte ich Optimist sein

Es ist noch immer das Land von Mark Twain, Muhammad Ali, Johnny Cash, Martin Luther King, Edward Hopper, den Red Hot Chilli Peppers und Duffy Duck. Amerika hat Leute auf den Mond geschickt und den Rock ’n’ Roll erfunden, den Blues, den Soul, den HipHop, die Erdnussbutter und das Raumschiff Enterprise. Im Prinzip wurde dort unsere ganze Moderne erfunden. Amerika braucht uns jetzt. Und wir brauchen Amerika. Deshalb möchte ich Optimist sein. Das ist die amerikanischste Eigenschaft überhaupt. Think positive!

Die neue First Lady, Melania Trump, ist sehr hübsch. Sie war mal Model und kommt aus Slowenien. Außenpolitisch könnten sich dadurch die Beziehungen zu Osteuropa total verbessern. Gleiches gilt für Nordkorea. Wenn die Nordkoreaner erstmal spüren, dass in den USA jetzt auch eine Art Kim Jong Un regiert, wird das Spannungen abbauen.

Und nach vier Jahren ist sowieso alles vorbei. Vielleicht aber auch schon früher. Das Weiße Haus ist ziemlich alt und verwohnt und hat nur rund 100 Zimmer auf sechs Etagen. Trump könnte bald sagen: Mir ist das hier zu eng, zu popelig. Leute, ich bin kein Student mehr! Er wird daraufhin angeekelt die Präsidentschaft niederlegen und in den Trump-Tower ziehen.

Das wäre mein ganz persönlicher amerikanischer Traum. Und das Großartige an Amerika ist ja, dass dort wirklich immer alles möglich ist. Im Guten wie im Schlechten.