WASHINGTON - Die Vorwahlen zur Kür des republikanischen Herausforderers von US-Präsident Barack Obama werden zu einem quälend-lähmenden Wettbewerb. Zwar hat der Favorit auf die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner, Mitt Romney, am Super Tuesday die wichtige Vorwahl im Bundesstaat Ohio gewonnen. Doch seine beiden schärfsten innerparteilichen Rivalen Rick Santorum und Newt Gingrich wollen vorerst nicht aufgeben. Damit steigen die Chancen von Präsident Obama auf eine zweite Amtszeit.

Aus den Vorwahlen in zehn US-Staaten ging in der Nacht zu Mittwoch kein klarer Sieger hervor. Romney konnte neben Ohio fünf weitere Siege verbuchen und verkündete tapfer: „Wir sind auf unserem Weg. Ich werde diese Nominierung holen.“ Dennoch wirkte er nach dem uneinheitlichen Ausgang geschwächt. Denn der erzkonservative Santorum setzte sich in drei wichtigen Südstaaten durch und hält trotzig an seiner Kandidatur fest. „Heute Nacht steht fest: Wir haben entgegen allen Erwartungen Rennen über das ganze Land verteilt gewinnen können“, sagte Santorum. Auch Newt Gingrich, der in seiner Heimat Georgia gewann, will weiterkämpfen. Ebenso hält es der Radikalliberale Ron Paul, der bislang noch nicht einen Bundesstaat für sich entscheiden konnte.


Den Republikanern droht deshalb die Spaltung zwischen moderaten Romney-Anhängern und dem erzkonservativen Santorum-Flügel. In Ohio, dessen Einwohnerschaft als repräsentativ für die USA gilt, konnte Romney knapp mit 38 Prozent und einem Punkt Vorsprung vor Santorum gewinnen. Dabei zeigte sich aber ein tiefer Riss in der Wählerschaft. Romney punktete vor allem in den Städten. Auf dem Land lag Santorum vorn, der sich als Anwalt der weißen Arbeiterschaft gerierte.

Die quälende Vorwahl schreckt auch das Parteiestablishment. Barbara Bush, die einflussreiche Ehefrau des früheren Präsidenten George H. Bush, klagte über den „schlimmsten Wahlkampf, den ich in meinem Leben je erlebt habe“. Kompromiss sei mittlerweile „ein schmutziges Wort“ , sagte sie.

Die Auseinandersetzung zwischen Romney und Santorum, die sich zuletzt in TV-Spots erbittert bekämpft hatten, dürfte sich aber trotzdem weiter hinziehen. Kommende Woche sind Vorwahlen in Alabama und Mississippi. In diesen Südstaaten leben viele evangelikale Christen und Anhänger der Tea-Party-Bewegung, die sich bislang zieren, den Mormonen Romney zu unterstützen. Daher liegen weitere Erfolge des tiefgläubigen Katholiken und Abtreibungsgegners Santorum nahe.


Inzwischen wird nicht mehr ausgeschlossen, dass die Republikaner erst auf dem Nominierungsparteitag Ende August endgültig über ihren Kandidaten befinden, sollte bis dahin keiner der Bewerber die notwendigen 1 144 Delegiertenstimmen auf sich vereinen. Zuletzt war das 1976 im Zweikampf zwischen Gerald Ford und Ronald Reagan der Fall.


Die Demokraten ließen bereits ihre Genugtuung über den zähen Wahlkampf der Gegner erkennen. Je länger der dauert, desto höher die Chancen auf Obamas Wiederwahl. Das Kalkül: Romney müsste als Herausforderer programmatisch deutlich nach rechts rücken, um Santorums Anhänger für sich zu gewinnen. Sollte aber der polarisierende Santorum der Kandidat werden, wäre das aus Sicht der Demokraten noch besser.