Die USA und verbündete Staaten werfen China nach Angaben eines US-Regierungsvertreters „bösartige“ Cyberaktivitäten und die Bedrohung ihrer nationalen Sicherheit vor. Der US-Vertreter sagte am Montag, Chinas „unverantwortliches Verhalten im Cyber-Raum“ stehe im Widerspruch zu seinem „erklärten Ziel, als verantwortungsvolle Führungsmacht“ wahrgenommen zu werden. Die EU, Großbritannien und weitere Partner würden sich den USA „anschließen, um die bösartigen Cyberaktivitäten des chinesischen Ministeriums für Staatssicherheit aufzudecken“. Der Vorwurf umfasst unter anderem den Angriff auf Microsoft in diesem Jahr, von dem Zehntausende Organisationen betroffen waren. Besonders schwer waren auch Attacken auf eine große US-Pipeline sowie die Software-Firma Kaseya.

Das chinesische Ministerium für Staatssicherheit nutze „kriminelle Hacker“ für globale Cyberangriffe, sagte der US-Vertreter. China sei unter anderem für Erpressung mittels Cyberattacken, sogenanntes Crypto-Jacking und Online-Diebstahl verantwortlich.

Die Identifizierung von China als Schuldigem ist neu. In den vergangenen Jahren war in der Regel Russland bezichtigt worden, hinter Cyberangriffen zu stecken. US-Präsident Joe Biden hatte in dieser Hinsicht nach dem Treffen mit Russlands Präsident Wladimir Putin eine Kehrtwende angedeutet. Biden hatte gesagt, es sei nicht erwiesen, dass der russische Staat hinter den Attacken stehe. Sollten die Angriffe allerdings von russischem Boden ausgegangen sein, sei Russland verpflichtet, die Täter ausfindig zu machen und zu bestrafen. Die USA, die EU, Großbritannien, Australien, Kanada, Neuseeland, Japan und die Nato stünden vereint gegen die neue, „immense Bedrohung“ ihrer „wirtschaftlichen und nationalen Sicherheit“ aus China, betonte der Sprecher. „Die USA und unsere Verbündeten und Partner schließen weitere Schritte nicht aus, um die Volksrepublik China zur Rechenschaft zu ziehen.“

Dem US-Vertreter zufolge tauschen die Staaten gegenseitig technische Empfehlungen zum Umgang mit der chinesischen Bedrohung aus. Im Laufe des Tages wollten die Verbündeten demnach „Taktiken, Techniken und Vorgehensweisen“ enthüllen, die von chinesischen Cyberakteuren genutzt werden.

Der britische Außenminister Dominic Raab bezeichnete den Microsoft-Exchange-Hack als „rücksichtsloses, aber bekanntes Verhaltensmuster“. Er sagte laut Financial Times: „Die chinesische Regierung muss diese systematische Cyber-Sabotage beenden und kann damit rechnen, zur Rechenschaft gezogen zu werden, wenn sie dies nicht tut.“

Nach US-Angaben zahlten Unternehmen im vergangenen Jahr 350 Millionen Dollar an Hacker, um ihre Daten zurückzubekommen – ein Anstieg von 300 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.