Trump tritt wieder an: Eine Bilanz des Grauens

Donald Trump will wieder Präsident werden. Doch wenn die Republikanische Partei auf die Fakten schaut, wird es schwer für ihn: Seit 2016 verliert er nur.

„Unehrlich, illoyal, unkompetent“: Donald Trump bei seiner Verkündungsrede in Mar-a-Lago
„Unehrlich, illoyal, unkompetent“: Donald Trump bei seiner Verkündungsrede in Mar-a-LagoImago Images

Die Ankündigung war so lange angekündigt, dass unterhalb des „wichtigsten Tags in der Geschichte der Vereinigten Staaten“ wirklich nichts mehr ging: Der zweimal wegen Amtsvergehen angeklagte, vor rund zwei Jahren in Schande aus dem Amt geschiedene Donald Trump will bei den nächsten Präsidentschaftswahlen wieder antreten. „Um Amerika wieder groß und glorreich zu machen“, müsse er zurück ins Weiße Haus, so der Ex-Präsident. Joe Biden und „die radikalen Linken“ ruinierten das Land, dessen Städte in Blutlachen ertrinken und von kriminellen Einwanderern terrorisiert würden.

Die alte Leier also. Bei den zahlenden Kunden seines Country Clubs in Mar-a-Lago in Florida und ein paar Hundert Zaungästen, die sich während der Rede vor dem Anwesen versammelt hatten, mag das alles noch verfangen.

Ob der frühere Immobilienpleitier und Reality-TV-Star für die Mehrheit der Amerikaner oder überhaupt nur die Mehrheit der Republikaner noch so spannend ist, ist allerdings fraglich. Bei den großen Nachrichten-Outlets rangierten der Raketeneinschlag in Polen und der G20-Gipfel auf Bali noch vor Trump. Einige Sender brachen die Übertragung seiner einstündigen Rede noch vor deren Ende ab, unter anderem sein langjähriger Haussender Fox News.

Tatsächlich rückt nach den Midterm-Wahlen, in denen die von Trump sekundierten MAGA-Extremisten auf breiter Linie scheiterten, eine wachsende Zahl ehemaliger Unterstützer von dem inzwischen 76-Jährigen ab. Nicht nur das Murdoch-Imperium (die New York Post verhöhnte Trump in Anlehnung an die eiförmige Kinderreimfigur Humpty Dumpty als „Trumpty Dumpty“). Auch Mike Pence, sein fast bis zur Selbstaufgabe loyaler früherer Vizepräsident, spekuliert öffentlich über „bessere Kandidaten“ bei den nächsten Präsidentschaftswahlen, und selbst der Kongressabgeordnete Mo Brooks, der am 6. Januar 2021 noch zu den Einpeitschern vor dem Sturm aufs Kapitol gehörte, bezeichnet mittlerweile eine mögliche Kandidatur Trumps als „schweren Fehler“ – der Mann sei „unehrlich, illoyal, unkompetent“.

Vor allem ist Donald Trump alles andere als der Winner-Typ, als der er sich so gerne präsentiert – auch in seiner Rede vom Dienstag wieder, als er sich bis zur Ermüdung selbst lobte und von einem „goldenen Zeitalter“ von Wohlstand und Weltherrschaft schwadronierte, in das er als Präsident die USA geführt habe. Was er dabei verschwieg, ist jedoch, dass er seine Partei gleichzeitig „in ein politisches Fiasko nach dem anderen“ stieß, wie auch das traditionell den Republikanern zugeneigte Wall Street Journal analysierte, die zweitgrößte Zeitung des Landes: Die Republikaner verloren unter Trumps Führung 2018 die Mehrheit im Repräsentantenhaus, 2020 das Weiße Haus, 2021 die Mehrheit im Senat, und schließlich schnitten sie 2022 so dramatisch schlecht bei den Zwischenwahlen ab wie seit Jahrzehnten nicht. Für die Partei ist das eine Bilanz des Grauens.

Man darf den Mann deshalb nicht unterschätzen. Trump erlitt in seinem langen Leben etliche Rückschläge und kam doch immer wieder auf die Beine. Doch wenn die Republikanische Partei und deren Wähler pragmatisch sind und auf die Fakten schauen, wird es schwer für Trump: Seit 2016 ist er durchweg am Verlieren. Er hat fertig.