Washington - US-Präsident Joe Biden hat sein geplantes Impf-Ziel deutlich verfehlt. Biden hatte angekündigt, dass 70 Prozent der amerikanischen Erwachsenen bis zum Nationalfeiertag am 4. Juli mindestens eine Dosis des Covid-19-Impfstoffs erhalten haben würden. Beamte des Weißen Hauses haben laut CBS nun eingeräumt, dass sie das Ziel nicht werden erreichen können und ein Erreichen für in „einigen Wochen“ in Aussicht gestellt. Der Rückgang des Interesses der Amerikaner kommt zu einem Zeitpunkt, in dem verschiedene von der Regierung angebotene Vergünstigungen wie ermäßigte Uber-Transporte oder kostenlose Kinderbetreuung wegfallen.

Das Center for Disease Control (CDC) gab am Freitag bekannt, dass über 172 Millionen Amerikaner oder etwa 67 Prozent der erwachsenen Bevölkerung mindestens eine Dosis des Covid-19-Impfstoffs erhalten haben. Etwa 156 Millionen haben beide Dosen erhalten, das sind etwa 47 Prozent.

Auffällig: Vor allem junge Amerikaner stehen der Impfung offenbar mit einer deutlichen Skepsis gegenüber: Weniger als die Hälfte der 18- bis 24-Jährigen hat laut der Bilanz der CDC mindestens eine Dosis des Impfstoffs erhalten. Trotz der deutlichen Warnungen der Behörden vor neuen, sich schneller ausbreitenden mutierten Varianten von Sars-CoV-2 sagten nur etwa 26 Prozent der von der CDC befragten nicht geimpften Erwachsenen unter 40 Jahren, sie seien besorgt über die Ansteckung mit Covid-19.

Laut den von der CDC veröffentlichten Zahlen werden in den USA derzeit durchschnittlich weniger als 300.000 erste Dosen täglich verabreicht. Als Biden am 4. Mai das Ziel formulierte, verimpften die USA durchschnittlich mehr als 820.000 erste Dosen pro Tag. Bei Beibehaltung dieser Geschwindigkeit wäre das Ziel der Regierung zu erreichen gewesen.

Nach der Ankündigung des Präsidenten im Mai leitete die Biden-Regierung eine Reihe neuer Bemühungen ein, um die Verteilung zu verbessern. Ein steigender Anteil der Impfstoffversorgung des Landes wurde von Massenimpfstellen an kleinere Kliniken und mobile Impfteams verlagert. Die Apotheken haben die Lieferungen in Gemeinden, die von Covid-19-Todesfällen stark betroffen waren, verstärkt – sie machen jetzt etwa ein Drittel der in viele Bundesstaaten gelieferten Impfstoffe aus.

Eine eigene Task-Force, das „Covid-19 Community Corps“, wurde ins Leben gerufen. Sie sollte lokale Politiker und Gesundheitsdienstleister rekrutieren, um Bedenken hinsichtlich der von der Food and Drug Administration für den Notfall zugelassenen Impfstoffe zu zerstreuen. Doch die Task-Force stieß, wie CBS berichtet, auf eine „engagierte Opposition“ gegen die Impfkampagne.

Daher werden nun Rufe nach einer Erhöhung des Drucks auf Impfverweigerer laut. CBS berichtet von Meinungsumfragen, denen zufolge die Amerikaner sich eher impfen lassen würden, wenn Impfungen die Voraussetzung für die Rückkehr in das „normale Leben“ seien. Dazu zählen Flüge oder die Teilnahme an Großveranstaltungen, die an eine Impfungen gebunden werden könnten. Aktuell seien nur wenige Unternehmen in der Lage, mehr als oberflächliche Kontrollen zu erheben, um zu überprüfen, ob die Kunden vollständig geimpft sind. Hinzu käme ein unübersichtliches System von unterschiedlichen Impfprotokollen in den einzelnen Bundesstaaten. Eine einheitliche Regelung wäre nötig, um Impfpässe einzuführen, analysiert CBS.

US-Präsident Joe Biden hat die Amerikaner am Nationalfeiertag zum Impfen aufgefordert, um die „Unabhängigkeit“ vom Coronavirus zu erreichen. Sich impfen zu lassen sei das „Patriotischste“, was die Bürger jetzt tun könnten, sagte Biden am Sonntagabend (Ortszeit), dem Unabhängigkeitstag, im Garten des Weißen Hauses. „Also bitte: Falls Sie noch nicht geimpft sind, tun Sie es. Tun Sie es jetzt – für sich selbst, für Ihre Lieben, für Ihre Gemeinde, für Ihr Land.“ Die USA seien „näher dran als je zuvor, ihre Unabhängigkeit von dem tödlichen Virus zu erklären“, sagte Biden. Das Virus sei aber noch nicht besiegt, zudem gebe es neue gefährliche Varianten. „Aber die beste Verteidigung gegen diese Varianten ist, sich impfen zu lassen.“ Dank der Impfungen kontrolliere das Virus das Leben nicht mehr, „es lähmt unser Land nicht mehr, und es liegt in unserer Macht, dafür zu sorgen, dass es nie wieder so kommt“.