Utrecht - Der mutmaßliche Schütze von Utrecht ist nach Angaben der Polizei festgenommen worden. Der 37-jährige Gökmen T. sei am Montagabend gefasst worden, gab Rob van Bree von der Polizei Utrecht bekannt. Der Zugriff sei am Abend bei einer Wohnungsdurchsuchung im Utrechter Zentrum erfolgt, teilten die Ermittler mit. Der Verdächtige werde nun vernommen.

Bei dem Angriff in einer Straßenbahn in der niederländischen Großstadt waren am Montagmorgen gegen 10.45 Uhr drei Menschen getötet worden, fünf weitere wurden verletzt. Drei Verletzte sollen sich weiterhin in einem ernsten Zustand befinden. Bürgermeister Jan van Zanen sagte: „Es ist heute ein schwarzer Tag für unsere Stadt Utrecht.“

Polizei in Utrecht fahndet stundenlang nach dem Mann

Die Polizei fahndete mehrere Stunden mit einem Foto nach dem 37-Jährigen, der in der Türkei geboren sein soll. Über das Motiv des Täters wurde zunächst weiter gerätselt. Rutger Jeuken vom niederländischen Innenministerium sagte am Abend, die Spuren deuteten auf ein terroristisches Motiv hin, man könne jedoch auch andere Motive nicht ausschließen. Am Nachmittag hatte ein Polizeisprecher gesagt: „Es könnte auch sein, dass es eine Beziehungstat ist.“

Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte sprach am Nachmittag zunächst von einem „Anschlag“. Am Montagabend berichtete Rutte, dass das Motiv weiter unklar sei. „Es gibt viele Fragen und Gerüchte“, sagte er in Den Haag vor Journalisten.

Im Zusammenhang mit der Tat wurde nach Angaben der Polizei ein zweiter Verdächtiger festgenommen. Es sei aber unklar, inwieweit er beteiligt gewesen sei. Der Vorwurf laute auf Verdacht des Totschlags mit einem terroristischen Motiv. Näheres wurde zunächst nicht bekannt. Über Stunden galt in Utrecht die höchste Terrorwarnstufe, sie wurde nach der Festnahme wieder gesenkt.

Der niederländische Rundfunk NOS berichtete, dass der mutmaßlisch Schütze ein langes Vorstrafenregister habe. Ihm werden dem Bericht zufolge verschiedene Verbrechen zur Last gelegt: Unter anderem soll T. 2013 wegen versuchten Mordes verurteilt worden seien, nachdem er mit einer Schusswaffe auf ein Wohnhaus geschossen habe. Zudem soll er im Oktober 2014 einen Polizeibeamten angespuckt haben. Bei einem Vergewaltigungsvorwurf aus dem Juli 2017 war der erste Verhandlungstag vor Gericht laut dem Sende vor zwei Wochen. 

Die genauen Hintergründe des Vorfalls waren zunächst unklar. Nach Angaben der Polizei fielen die Schüsse gegen 10.45 Uhr.  Die Tat ereignete sich im Westen von Utrecht mit ihren 350.000 Einwohnern, etwa einen Kilometer entfernt von der Altstadt. Von Zeugen gab es unterschiedliche Hinweise zu der Tat.

Augenzeuge berichtet von der Tat in der Straßenbahn

Laut einem Augenzeugen hatte der Täter es gezielt auf eine Frau abgesehen. Wie Daan Molenaar im NOS Radio sagte, befand er sich im vordersten Teil der Straßenbahn, als die Schüsse im hinteren Teil fielen. Nach dem Stoppen der Bahn habe er zunächst eine auf dem Boden liegende Frau bemerkt, der andere Reisende hätten helfen wollen. Zunächst habe er an einen Unfall gedacht. „Ich hatte noch immer diesen Eindruck, als ich sah, dass sie weggeschleppt wurde.“ Aber plötzlich sah er jemanden mit gezückter Pistole gezielt auf die Gruppe zulaufen. „Es sah so aus, als ob er diejenige noch einmal angreifen wollte oder vielleicht die Menschen, die ihr halfen.“ Währenddessen suchten Passanten hinter geparkten Autos Schutz, wie in einem amerikanischen Westernfilm.

Andere Zeugen wollen dagegen gehört haben, dass vier Männer „Allahu Akbar“ (Gott ist groß) bei der Tat in der Straßenbahn gerufen hätten. Das berichtete die Amsterdamer Zeitung „Het Parrol“ am Montag. Eine Sprecherin der Polizei Utrecht sagte dazu der Deutschen Presse-Agentur: „Das können wir nicht bestätigen.“ 

Aus einer Wohnung sicherte die Polizei Beweismaterial. Bei einem weiteren Einsatz in einem anderen Wohngebäude auf der anderen Seite des Tatorts seien angeblich zwei Menschen festgenommen worden, berichtete ein Reporter eines TV-Senders. Die Polizei sperrte eine Straße ab. Mitglieder einer Anti-Terror-Einheit drangen nach Berichten niederländischer Reporter in eine Wohnung ein. Schüsse seien nicht zu hören gewesen. (dpa, afp)