Kiel/Hamburg - Mit schöner Regelmäßigkeit sorgt der bis heute unaufgeklärte Tod des früheren schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Uwe Barschel für Schlagzeilen. Jetzt haben Spezialisten des Kieler Landeskriminalamts an der Kleidung, die der CDU-Politiker in der Nacht seines Todes trug, DNA-Spuren einer unbekannten Person entdeckt. Ob sich daraus aber Hinweise auf eine mögliche Ermordung Barschels ergeben könnten, steht noch nicht fest.

Barschel hatte eine atemberaubende Karriere in der CDU gemacht, bevor er Ende September 1987 wegen einer Affäre um schmutzige Wahlkampftricks einen jähen Absturz erlebte. Am 11. Oktober 1987 wurde er schließlich tot in einem Zimmer des Genfer Nobelhotels Beau Rivage aufgefunden.

Der damals 43-Jährige lag, von einem Cocktail aus fünf Medikamenten vergiftet, vollständig angezogen in einer mit Wasser gefüllten Badewanne. Die bizarre Inszenierung des Tatorts, grobe Ermittlungsfehler der Polizei und unaufgeklärte Beziehungen Barschels zu Waffenhändlern und Geheimdiensten nähren bis heute den Verdacht, der Politiker sei damals ermordet worden.

Spuren auf der Kleidung

Ein neues Indiz für diese These könnte nun der jetzt nachgewiesene genetische Fingerabdruck eines Unbekannten an der Kleidung des Opfers sein. Dem ehemaligen Kieler CDU-Landtagsabgeordneten Werner Kalinka zufolge haben die Ermittler entsprechende Spuren einer fremden Person auf der Strickjacke, den Socken und der Krawatte sichergestellt, die Barschel in der Nacht auf den 11. Oktober 1987 im Beau Rivage trug.

Auch auf einem Hotel-Handtuch seien Spuren entdeckt worden, so Kalinka. Er forderte die Staatsanwaltschaft Lübeck auf, die 1998 eingestellten Ermittlungen wieder aufzunehmen. Die Behörde hatte einst im Abschlussbericht erklärt, es gebe zwar keine Perspektive für weitere Untersuchungen, dennoch könnten die Ermittlungen jederzeit wieder aufgenommen werden.

Behörde lehnt Ansinnen ab

Die Welt am Sonntag berichtete, dass die gesicherten DNA-Spuren nicht mehr detailliert genug seien, um das Geschlecht der unbekannten Person festzustellen. Auch ein Abgleich in der BKA-Datenbank für genetische Fingerabdrücke sei daher nicht möglich. Allerdings seien die Spuren geeignet, sie mit der DNA von möglichen Verdächtigen zu vergleichen. Kalinka forderte die Lübecker Staatsanwaltschaft auf zu klären, ob die neue Spur von einer unbekannte fremden Person stamme, die im Hotelzimmer nichts zu suchen hatte, oder von einem Zimmermädchen.

Die Behörde lehnt aber neue Ermittlungen bislang ab. „Die Untersuchungsergebnisse bieten keine zureichenden Anhaltspunkte, die es erlaubten, eine Linie zu eventuell tatverdächtigen Personen zu ziehen“, sagte der leitende Oberstaatsanwalt Thomas-Michael Hoffmann der Welt am Sonntag. Prozessrechtlich könne man daher beim gegenwärtigen Stand der Dinge nichts weiter unternehmen.

Das verschwundene Haar

Im vergangenen Jahr hatten Spezialisten des LKA in Kiel noch einmal damit begonnen, die seit 1995 bei der Lübecker Staatsanwaltschaft lagernden Asservatengegenstände aus dem Barschel-Verfahren einer früher noch nicht möglichen genetischen DNA-Analyse zu unterziehen. Dabei stieß man auf die Spuren an der Kleidung. Ein fremdes Haar, welches seinerzeit auf dem Kopfkissen von Barschels Bett im Beau Rivage gefunden wurde, konnte hingegen nicht mehr untersucht werden – es ist aus ungeklärten Gründen aus der Asservatensammlung in Lübeck verschwunden.