Der Vater und der Bruder von Julian Assange, John und Gabriel Shipton, haben am Montag den Berliner Verlag besucht, um die deutsche Öffentlichkeit und insbesondere die deutsche Bundesregierung auf die prekäre Situation ihres Sohnes und Bruders aufmerksam zu machen.

Am Freitag hatte die britische Innenministerin Priti Patel einen Auslieferungsbefehl veröffentlicht, der vorsieht, Assange an die USA auszuliefern. Der Wikileaks-Gründer sitzt seit über drei Jahren im Londoner Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh ein. Assanges Anwälte haben nun 14 Tage Zeit, das Urteil anzufechten. Julian Assange wird vorgeworfen, wegen der Veröffentlichung geheimer Dokumente auf der Plattform Wikileaks und in anderen Medien, sich der Spionage schuldig gemacht zu haben.

„Wir sind bestürzt“, sagte Julian Assanges Vater im Berliner Verlag. „Assange ist jetzt seit fast 14 Jahren in Unfreiheit. Sein Leben ist in Gefahr. Ihm geht es immer schlechter. Aber Julian hat unglaubliche Widerstandkräfte. Er will sich wehren. Die Vorwürfe gegen ihn sind absurd.“

Berliner Zeitung/Paulus Ponizak
Der Bruder und der Vater von Julian Assange im Berliner Verlag

Besonders die Grünen stünden jetzt in der Pflicht

Vater und Bruder von Julian Assange appellierten gemeinsam an die Bundesregierung, gegen den britischen Auslieferungsbescheid Stellung zu beziehen. „Joe Biden wird handeln, wenn Deutschland den Fall auf den Tisch legt und sich mit den Nato-Partnern verständigt. Nächste Woche ist das G7-Treffen in München. Eine gute Gelegenheit, um Druck aufzubauen,“ sagte Richard Brett Assange.

Wikileaks sei in Frankreich gemeldet gewesen, es habe bei der Veröffentlichung der Wikileaks-Informationen im Jahre 2008 einen Deal mit dem Spiegel und dem Freitag gegeben. Jetzt seien auch die deutschen Pressehäuser in der Pflicht, Julian Assange zu unterstützen. „Julian Assange ist ein europäischer Journalist, es geht also um Europas Pressefreiheit. Olaf Scholz sollte keine Angst haben und jetzt widersprechen.“

Besonders die Grünen stünden in der Verantwortung. Sie seien mit Julian Assange und Assange-Solidaritätsbekundungen in den Wahlkampf gegangen. „Viele bei den Grünen waren für die Freilassung von Julian Assange. Dafür haben sie Wählerstimmen bekommen. Ich erwarte jetzt mehr Einsatz,“ sagte Assanges Vater. Gerade jetzt, in Zeiten des Ukraine-Kriegs, brauche die westliche Welt investigativen Journalismus, der den Mächtigen auf die Hände schaue und hinter die Kulisse politischer Zusammenhänge blicke.

Die Regierungen Frankreichs und Deutschlands tun zu wenig

Julian Assange werde die Auslieferung anfechten, sagte Julians Bruder Gabriel Shipton. Es gibt neue Beweise, die belegen, dass die Auslieferung von Julian Assange in die USA geltendes Recht bricht. Es würde kein fairer Prozess auf ihn warten. „Die CIA wollte Julian entführen, ihn umbringen. Das wurde alles durch das Rechercheteam Yahoo News Investigation bestätigt. Das sollte genug sein, um zu zeigen, dass Julian Assange in den USA keinen fairen Prozess bekommen wird.“

Es gehe um die europäische Pressefreiheit, sagte Assanges Vater. Jeder, der jetzt etwas Kritisches gegen die Regierung der USA sagt, müsse fürchten, dass er an die USA ausgeliefert werde. „Seit 14 Jahren wird Julian Assange verfolgt und gemobbt. Die Regierungen Deutschlands und Frankreichs tun nichts. Nur das Volk dieser Länder steht hinter Julian Assange. Es wird Zeit, dass die europäischen Regierungen ihren Wählern folgen.“

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