Hugo Chávez bleibt Präsident in Venezuela. Der Amtsinhaber sicherte sich mit einem Sieg über seinen Herausforderer Henrique Capriles bei der Präsidentschaftswahl am Sonntag eine weitere sechsjährige Amtszeit. Nach Angaben des venezolanischen Wahlrates erhielt der Präsident mehr als 54 Prozent der Stimmen, Capriles kam auf knapp 45 Prozent. Für Chávez ist es die dritte Wiederwahl in fast 14 Jahren im Amt. Allerdings war sein Sieg diesmal knapper als vor sechs Jahren, als er 63 Prozent der Stimmen gewann.

Außerhalb des Präsidentenpalastes in Caracas feierten seine Anhänger und schwenkten Fahnen, Feuerwerke erleuchteten den Himmel über der Hauptstadt. „Danke, mein geliebtes Volk. Es lebe Venezuela. Es lebe Bolívar“, schrieb Chávez auf Twitter in Anspielung auf den venezolanischen Freiheitskämpfer Simon Bolívar.

81 Prozent der fast 19 Millionen registrierten Wähler hätten ihre Stimme abgegeben, sagte die Präsidentin des venezolanischen Wahlrates, Tibisay Lucena. 2006 lag die Wahlbeteiligung noch bei 74 Prozent. Chávez habe über 7,4 Millionen Stimmen erhalten und damit 1,2 Millionen mehr als Capriles, sagte Lucena. Die hohe Beteiligung hatte am Sonntag zu langen Schlangen an den Wahllokalen und einer Verzögerung bei der Auszählung der Stimmzettel geführt.

Capriles gratulierte dem Präsidenten zum Wahlsieg und rief seine Anhänger auf, sich nicht als Verlierer zu sehen. „Wir haben in ganz Venezuela viele Samen gepflanzt, und ich weiß, dass diese Samen viele Bäume hervorbringen werden“, sagte er bei einer Ansprache am Sonntagabend.

Weitere Amtszeit bis 2019

Mit seinem neuerlichen Wahlsieg hat Chávez bis 2019 freie Hand, um die ohnehin starke Rolle des Staates in der Wirtschaft weiter zu festigen und weiter seine Allianzen gegen die USA in der internationalen Politik zu schmieden. In den Monaten vor der Wahl hatte der Präsident viel Geld in die Hand genommen, um soziale Wohnungen zu bauen und soziale Programme für arme Familien auszubauen.

Chávez ist seit 1999 im Amt und darf nach einer Verfassungsänderung von 2009 unbegrenzt als Kandidat zur Wahl antreten. Er hatte während des Wahlkampfes mehrmals gesagt, dass er mindestens bis 2030 im Amt bleiben wolle, um sein Sozialismus-Modell in Venezuela zu verankern.

Die Wahlniederlage für Capriles ist eine schwere Schlappe für die Opposition, die sich diesmal. auch gestützt auf einige Umfragen, hohe Siegchancen ausgerechnet hatte. Capriles, ein 40-jähriger Gouverneur, war aus einer Vorwahl im Februar als aussichtsreicher Gegenkandidat für Chávez hervorgegangen. Die bisher nur mäßig organisierte Opposition hatte sich hinter ihm versammelt. Doch Capriles' Versprechen, gegen die zunehmenden Gewaltverbrechen vorzugehen, die aufgeblähte Bürokratie einzudämmen und die Korruption zu beenden, reichten am Ende doch nicht für einen Sieg gegen Chávez' gut geölte Wahlkampfmaschine und seine Beliebtheit unter Venezuelas Armen.

Mit seiner Verstaatlichungspolitik hat Chavez nach 14 Jahren an der Macht die Bevölkerung gespalten. Auf der internationalen Bühne ist der ehemalige Offizier zu einem der umstrittensten Politiker geworden. Bei jeder Gelegenheit stilisiert er sich als Kämpfer für die Unterdrückten, sein Image als Erzfeind der USA pflegt er mit Leidenschaft. So beschimpfte Chavez George W. Bush in der UN-Vollversammlung als Teufel.

Ungeachtet dessen sind die Vereinigten Staaten immer noch der wichtigste Käufer von venezolanischem Öl. Mit den Petro-Dollars finanziert Chavez wiederum einen Großteil seiner Sozialprogramme.
Herausforderer Capriles dagegen trat für eine Kombination aus freier Marktwirtschaft und Sozialpolitik an. Als Leitbild nennt der Gouverneur des zweitgrößten Bundesstaats Miranda das Nachbarland Brasilien, wo Ex-Präsident Luiz Inacio Lula da Silva erfolgreich einen Mittelweg zwischen Sozialismus und Kapitalismus beschritten hat.

Im Wahlkampf hatte Chávez seinen Kampf gegen den Krebs kaum zum Thema gemacht. Seit Juni 2011 hat er sich mehreren Operationen sowie einer Chemotherapie und Bestrahlungen unterziehen müssen. Zuletzt hatte er erklärt, dass die jüngsten Untersuchungen keine Anzeichen einer Erkrankung mehr aufwiesen. (dapd/rtr)