Caracas - Rätselraten um den inhaftierten venezolanischen Oppositionsführer Leopoldo López: Nach Gerüchten um einen dramatisch verschlechterten Gesundheitszustand des 46-Jährigen harrte seine Frau Lilian Tintori die ganze Nacht vor dem Militärgefängnis Ramo Verde bei Caracas aus.

Ein Video mit einem Lebenszeichen von López bezeichnete sie als Fälschung. Sie wolle ihn endlich wieder persönlich sehen. Zuvor hatte der US-Senator für Florida, Marco Rubio, gesagt, er habe Informationen, dass der Zustand von López sehr schlecht sei. López soll sich seit Ausbruch der Unruhen seit Anfang April in Isolationshaft befinden. Seine 38-Jährige Frau sagte: „Wir wollen die Wahrheit wissen.”

Der Vizechef der regierenden Sozialisten, Diosdado Cabello, versicherte im Staatsfernsehen: „Sie haben Leopoldo nichts getan, sie erfinden eine Show.” Er vermutete dahinter Versuche, in der aufgeheizten Situation die Anhänger der Opposition zusätzlich anzustacheln. Die Freilassung von López ist neben Neuwahlen eine Hauptforderung der Demonstranten.

Der Chef der Partei Voluntad Popular („Volkswille”) verbüßt wegen angeblicher Anstachelung zu Gewalt bei regierungskritischen Protesten eine fast 14-jährige Haftstrafe, 2014 waren insgesamt 43 Menschen bei Protesten gegen Präsident Nicolás Maduro gestorben. Das Urteil wurde scharf kritisiert. Sein Frau Lilian Tintori kämpft weltweit für seine Freilassung, bis zu Papst Franziskus. Die frühere Kitesurf-Meisterin Venezuelas ist eines der Gesichter der aktuellen Protestbewegung. 

Im Februar hatte sich US-Präsident Donald Trump demonstrativ mit Tintori getroffen und die Freilassung gefordert, bei dem Treffen war auch Rubio dabei. Am nächsten Tag bestätigte der Oberste Gerichtshof in Caracas die lange Haftstrafe für den Oppositionspolitiker López.  (dpa)