Caracas - Nach über drei Jahren in Haft ist der venezolanische Oppositionsführer Leopoldo López in den Hausarrest entlassen worden. Grund sei der schlechte Gesundheitszustand von López, teilte der Oberste Gerichtshof am Samstag mit. Es handele sich um eine humanitäre Maßnahme, sagte Gerichtspräsident Maikel Moreno.

Zuletzt gab es immer wieder Gerüchte, dass der 46-Jährige krank sei. Bislang saß der Gründer der Partei Voluntad Popular im Militärgefängnis Ramo Verde ein. Anfang Juni hatte er eine Überstellung in den Hausarrest bereits einmal abgelehnt. Der Oppositionsführer López war wegen Anstachelung zur Gewalt zu fast 14 Jahren Haft verurteilt worden. Bei Protesten gegen die Regierung im Frühjahr 2014 waren 43 Menschen ums Leben gekommen. Das wurde ihm angelastet.

Als politischer Gefangener angesehen

Zahlreiche Regierungen und internationale Organisationen sehen López als politischen Gefangenen an. Der Hausarrest für den Politiker solle nur ein erster Schritt zur vollständigen Freilassung sein, forderte der Oppositionsabgeordnete und frühere Parlamentspräsident Henry Ramos Allup.

Bei den seit drei Monaten andauernden Demonstrationen gegen die Regierung des linken Präsidenten Nicolás Maduro hatten Oppositionelle auch immer wieder die Freilassung der politischen Gefangenen gefordert. Bei den Protesten kamen bislang mehr als 90 Menschen ums Leben, Tausende wurden verletzt. Möglicherweise will Maduro mit dem Hausarrest für López nun auch etwas Druck aus dem Kessel lassen.

López stellte sich hinter Demonstranten

In Videobotschaften aus dem Gefängnis hatte sich López zuletzt hinter die Demonstranten gestellt und sie zum Durchhalten aufgerufen. Vor zwei Wochen hatte López' Ehefrau Lilian Tintori den Sicherheitsbehörden vorgeworfen, ihren Mann gefoltert zu haben.

Tintori hatte seit der Inhaftierung ihres Mannes für dessen Freilassung gekämpft und war zum Sprachrohr der venezolanischen Opposition geworden. Nach einem Monat hatte sie ihn am Freitag erstmals wieder im Gefängnis besuchen dürfen. (dpa)