Der absurde Versuch der russischen Regierung, gegen sogenannte „Homosexuelle Propaganda“ vorzugehen, führt nun auch zur Zensur von weltbekannten Künstlern: Wie das britische Nachrichtenportal Pinknews berichtet, will der Sankt Petersburger Abgeordnete Vitali Milonow die „Tom of Finland“-Briefmarken verbieten lassen.

Der 1991 im Alter von 81 Jahren verstorbene Künstler Tom of Finland ist für seine Illustrationen schwuler Fetisch-Fantasien berühmt. Ihm zu Ehren brachte die finnische Post eine Sondermarke heraus, die innerhalb kürzester Zeit in 178 Länder der Erde verkauft wurde. Damit ist sie die am öftesten gekaufte finnische Sondermarke aller Zeiten.

Schwule Fetisch-Fantasien als Kunst

Darauf zu sehen ist ein nackter Mann, der sich gegen den Schritt eines muskulösen, rauchenden Polizisten mit Lederstiefeln lehnt. Für die russischen Politiker ein klarer Fall: Die Verbreitung der Zeichnung würde gegen nationalen Gesetze verstoßen, sagte Vitali Milonow der russischen Nachrichtenagentur TASS. „Sie sind prinzipiell Elemente der homosexuellen Propaganda, die in unserem Land verboten ist“. Milonow ist Mitautor des umstrittenen Gesetzes, das 2013 von Präsident Wladimir Putin verabschiedet wurde.

Die russische Post soll alle Briefe und Pakete, die mit der Sondermarke frankiert sind, zurück an den Absender schicken: „Ich ersuche die Führung der russischen Post, dieser Frage hohe Aufmerksamkeit zu widmen.“ Die Finnen forderte er auf, „davon Abstand zu nehmen, diese Briefmarken zu verwenden, wenn Briefe nach Russland geschickt werden.“

Keine Zensur durch Russische Post

Einen entsprechenden Versuch hatte der finnische Rundfunksender YLE im September unternommen, um die Behörden herauszufordern. Die Redakteure schickten ihrer Moskau-Korrespondentin Maria Manninen ein Päckchen, das mit der Marke mit dem eindeutig homoerotischen Motiv frankiert war.

„Wir wollten testen, wie die russische Post und der Zoll auf diese Briefmarken reagieren würden“, sagte ein Reporter des Senders laut Nachrichtenportal GGG.at. Immerhin habe Russland „Homo-Propaganda“ verboten, wenn Minderjährige darauf Zugriff hätten - und das wäre bei einem Poststück ja möglich.

Trotzdem gab es bei der Abholung des Päckchens keinerlei Probleme. „Die Briefmarken haben nicht das leisteste Interesse geweckt, nicht einmal, als ich die Postbeamten gefragt habe", sagte die Empfängerin Manninen. „Die sind zufrieden, solange das ganze Porto bezahlt wurde.“

Leder-Fetisch wird zum Bestseller

Die Finnische Post sprach vom bislang größten weltweiten Medieninteresse an einer ihrer Sonderbriefmarke. Das Ziel, „unserem Zeitgeist entsprechende Briefmarken zu drucken“, sei offenkundig erreicht worden. Der Grafikkünstler Timo Berry, der die Briefmarken mit Motiven von Tom of Finland gestaltet hatte, äußerte sich begeistert über die internationale Nachfrage.

„Es ist großartig, dass diese Bilder, die früher unter der Ladentheke verkauft werden mussten, jetzt unbekümmert auf Umschlägen und Briefmarken geklebt werden können“, sagte er gegenpüber dem Rundfunksender YLE. Das historische Verdienst von Tom of Finland bestehe vor allem darin, dass „Schwule zum ersten Mal in ihrer Männlichkeit dargestellt wurden – und nicht länger als mädchenhaft.“

Tom of Finland, der mit bürgerlichem Namen Touku Laaksonen hieß, begann in den 60er-Jahren mit seinen schwulen Fetisch-Motiven. Zu einer Zeit, als Homosexualität im Westen noch als Tabu galt. Unter Schwulen erwarb er sich damit umso mehr Anerkennung.

Dank der Reaktion von Vitali Milonow dürfte der Finne nun noch berühmter werden: Unter dem Hashtag #TomofRussia riefen Fans des Zeichners am Dienstag bei Twitter dazu auf, Post mit den sexy Marken nach Russland zu schicken.