Düsseldorf - Die Aufregung war gewaltig: Ein Islamist sollte es geschafft haben, sich beim Bundesamt für Verfassungsschutz einzuschleichen und seine radikalen Glaubensbrüdern zu einem Anschlag auf die Kölner Zentrale des Geheimdienstes ermuntert haben.

Der scheinbar eindeutige Internet-Chat brachte den bis dato unbescholtenen Behördenmitarbeiter aus Tönisvorst am Niederrhein erst in Untersuchungshaft und am Dienstag wegen versuchten Geheimnisverrats in Düsseldorf vor Gericht.

Nach gescheiterter Bewerbung beim Bund zum Verfassungsschutz

Fotos zeigen ihn im Tarnanzug der Bundeswehr mit Maschinengewehr und Pistole. Auch bei der Armee hatte sich der 52-jährige Bankkaufmann in fortgeschrittenem Alter als Reservist beworben - sein Bluthochdruck vereitelte letztlich den Eintritt in die Armee. Besser lief es beim Bundesamt für Verfassungsschutz in Köln.

Nach 35 Jahren in der Bank, zuletzt als Abteilungsleiter schwer gelangweilt, wurde er vom Geheimdienst für die mobile Observation der islamistischen Szene eingestellt. Er unterschrieb die übliche Verschwiegenheitsverpflichtung.

Zuerst in rechten und dann in islamistischen Kreisen

„Es war etwas ganz anderes und hat mir Spaß gemacht. Super Arbeitgeber, nette Kollegen“, berichtet der Angeklagte. Wären da nicht die Wochenenden gewesen. Denn an denen ist sein schwerstbehinderter Sohn daheim und er muss auf ihn aufpassen. „Da sitzt man da mit dem Handy, kann nichts machen und ist wieder im Internet.“

Vor etwa zehn Jahren habe er dabei eine Vorliebe zu Rollenspielen im Netz entwickelt und sich unter Pseudonym mal der rechten „Nordic Brotherhood“ angedient, dann den Islamisten. Es sei für ihn ein Spiel aus Langeweile, eine „Flucht vor der Realität“ gewesen, sagt der 52-Jährige.

Ein „Spiel“ während er auf seinen schwerbehinderten Sohn aufgepasst hat

Er habe sich in einem Chat mit einem vermeintlichen Islamisten sogar zu einem konspirativen Treffen unter der Dusche in einem Krefelder Fitnessstudio verabredet, wäre dort aber nie hingegangen. „Ich habe mich nie mit Islamisten getroffen. Man würde das nie machen, aber es ist wie so ein Spiel. Das Ganze hat sich bei mir zu Hause auf dem Sofa abgespielt, während ich auf meinen schwerbehinderten Sohn aufgepasst habe.“

Die Folgen waren dennoch erheblich: Roque M. wurde festgenommen, gefeuert, kam in Untersuchungshaft und sein Fall wurde öffentlich: „Meine Kinder wurden in der Schule verprügelt, meine Frau hat die Scheidung eingereicht. Die Sache ist aufgebauscht worden.“

Der Verteidiger betonte: „Er ist kein Islamist“

Der 52-Jährige soll versucht haben, Dienstgeheimnisse über Einsatzorte ausgerechnet an Islamisten weiterzugeben, war dabei aber an einen verdeckt operierenden anderen Mitarbeiter des Verfassungsschutzes geraten. Das alles bestreitet er nicht.

Deutlich weitergehenden Vorwürfen der Staatsanwaltschaft hat die Justiz inzwischen einen Riegel vorgeschoben und diese nicht zur Verhandlung zugelassen. So sieht das Gericht keine ausreichenden Hinweise dafür, dass es sich bei dem Angeklagten selbst um einen Islamisten mit Anschlagsplänen handelt. „Er ist kein Islamist“, betont sein Verteidiger.

„Ein Anschlag in der Zentrale wäre doch ganz in Allahs Sinne“

Der 52-Jährige war im April 2016 nach eineinhalbjährigem Bewerbungsverfahren eingestellt und am 16. November 2016 festgenommen worden. Dabei hatte er sämtliche Sicherheitsüberprüfungen überstanden.

Die Anklage zitiert den Chat wie folgt: „Ich kann euch zum Einlass ins Haupthaus verhelfen, ein Anschlag in der Zentrale wäre doch ganz in Allahs Sinne.“ Genauso habe er sich aber zuvor der rechten Bruderschaft angedient oder mit dem Gedanken gespielt, als Mönch ins Kloster zu gehen. „Das war ein Spiel, das war immer das gleiche Schema“, beteuert der Vater von vier Kindern.

Das Landgericht hat für den Fall zunächst fünf Verhandlungstage angesetzt. (dpa)