Im Kölner Kliniken-Skandal hat sich Kardinal Joachim Meisner persönlich dafür entschuldigt, dass zwei katholische Krankenhäuser einer vergewaltigten Frau im Dezember 2012 die Behandlung verweigert hatten. Gleichzeitig bekräftigt der Erzbischof die Position der katholischen Kirche zum uneingeschränkten Lebensschutz, der keine Relativierung dulde. In Form und Inhalt ist eine solche persönliche Erklärung des Erzbischofs ungewöhnlich und lässt auf Brisanz schließen.

Meisner drückte in der Stellungnahme tiefste Beschämung aus. Was der jungen Frau widerfahren sei, „hätte nie geschehen dürfen. Sie suchte Hilfe in großer Not und fand keine Aufnahme.“ Das widerspreche dem christlichen Auftrag. „Es gab und gibt auch keine kirchliche Anweisung, Vergewaltigungsopfer anders zu behandeln oder gar abzuweisen“, betont der Erzbischof. Warum der jungen Frau dies trotzdem passiert sei, müsse jetzt genau erforscht werden.

Streitfall ist die sogenannte „Pille danach“. Das Erzbistum hatte bereits vor einem Jahr allen katholischen Krankenhäusern das strikte Verbot der Ausgabe des Medikaments eingeschärft. Hintergrund war, dass eine sich als Patientin ausgebende Frau in den Notfallpraxen auf dem Gelände von vier katholischen Kölner Kliniken ein Rezept für die „Pille danach“ erhalten hatte. In einem Rundschreiben heißt es, dem Erzbistum habe darüber ein mit dem inzwischen abgeschalteten hetzerischen Internet-Portal kreuz.net verbundener Herr Miller berichtet. Ihm habe der damalige Generalvikar und heutige Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp in einem Brief versichert, dass bei Schwangerschaftsabbrüchen eine „Null-Toleranzgrenze“ gelte.

Ein Aufsichtsratsmitglied katholischer Kliniken im Erzbistum Köln, das nicht namentlich genannt werden will, warf nun der Bistumsleitung vor, die Ärzte zu gängeln und unter Druck zu setzen. „Statt ihnen zu vertrauen und ihnen in ohnehin schwierigen Notsituationen einen Ermessensspielraum für gewissenhaftes Handeln im Einzelfall zu geben, baut die Kirche mit ihrem Alles-oder-nichts-Prinzip zusätzlich Druck auf.“ Das führe zu Kurzschlussreaktionen wie in dem Kölner Fall.

Der Vorsitzende der Grünen in Nordrhein-Westfalen, Sven Lehmann, forderte das Erzbistum auf, „sich von seinen mittelalterlichen Dogmen zu verabschieden“. Der Vorwurf eines frauenfeindlichen Systems im Erzbistum lasse sich nicht von der Hand weisen. Er begrüßte die Ankündigung des Landesgesundheitsministeriums, die Vorgänge rechtlich prüfen zu lassen. (mit KNA)