Aber auch für andere Verkehrsverstöße sieht der Bußgeldkatalog Strafen vor. Eine Hand am Lenker, die andere am Handy, schnell noch über die rote Ampel radeln oder abends ohne Licht fahren – für viele Radler alltägliche Kavaliersdelikte. Was vielen nicht bewusst ist: Auch diese Dinge werden von der Polizei geahndet. „Das kann bis zum Entzug des Auto-Führerscheins gehen“, sagt Angelika Bergen, Fachanwältin für Verkehrsrecht und Mitglied im Kölner Anwaltverein.

Denn auch für Verkehrsverstöße auf dem Rad kann es Punkte geben: Wer beispielsweise dabei erwischt wird, wie er mit dem Fahrrad über eine rote Ampel fährt, kassiert nicht nur ein Bußgeld von 45 Euro, sondern auch einen Punkt in der Flensburger Verkehrssünderkartei.

Ähnliches erwartet Radler, die einen Zebrastreifen missachten. Wer nicht vorher absteigt und sein Rad über den Streifen schiebt, riskiert 40 Euro Strafe und einen Punkt in Flensburg. Hinzu kommt, dass bei Strafen ab 40 Euro immer noch Verwaltungsgebühren von 20 bis 40 Euro berechnet werden.

Alkohol am Lenker

Auch Alkohol am Lenker wird geahndet. Stellt die Polizei fest, dass ein Radler „alkoholtypisch“ (zum Beispiel in Schlangenlinien) fährt und Alkohol im Blut hat, drohen Bußgelder oder auch der Verlust des Führerscheins, je nach Höhe des Blutalkoholwertes.

Richtig ernst wird es ab 1,6 Promille. Wer sich dann auf sein Rad schwingt, begeht laut Strafgesetzbuch eine Straftat – auch ohne Gefährdung anderer oder verursachten Unfall. Den Radfahrer erwarten eine Strafanzeige, ein Ermittlungsverfahren und eventuell auch eine Gerichtsverhandlung. Zudem gibt es sieben Punkte in Flensburg, eine satte Geldstrafe (in der Regel in Höhe von ein bis zwei Netto-Monatsgehältern plus Verfahrenskosten) und in Ausnahmefällen sogar eine Haftstrafe von bis zu einem Jahr.

Und der Führerschein ist auch erst mal weg. Wer ihn zurückhaben möchte, muss sich einer medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU), umgangssprachlich Idioten-Test genannt, unterziehen.


Aber auch für vermeintlich kleinere Vergehen gibt es Verwarngelder: Radfahrer müssen zum Beispiel an einem grünen Pfeil an der Ampel anhalten, schauen, ob alles frei ist, und dürfen erst dann weiterfahren. Tun sie das nicht und werden dabei erwischt, gilt dieselbe Strafe, wie beim Überfahren einer roten Ampel – also 45 Euro und ein Punkt.

Vergleichsweise günstig kommen Radler weg, die ohne Handzeichen abbiegen: Sie zahlen zehn Euro. Je nachdem, ob sie dabei jemanden behindern, gefährden oder es zu einem Unfall kommt, erhöht sich die Strafe allerdings auf bis zu 35 Euro. Ebenfalls zehn Euro müssen Radfahrer zahlen, die bei vorhandenem und gekennzeichnetem Radweg (weißes Rad auf blauem Hintergrund) die Straße oder den Fußgängerweg benutzen. Auf dem Gehweg fahren dürfen nur Kinder bis zehn Jahre.

Musik hören ist erlaubt

Erlaubt ist es hingegen allen Radfahrern, an Autos, die an der roten Ampel stehen, bis zum Anfang der Schlange vorbeizufahren – vorausgesetzt, sie gefährden niemanden. Auch nebeneinanderfahren ist nicht verboten, allerdings nur, wenn man niemanden behindert. Ansonsten kostet das 15 Euro, bei Gefährdung anderer 20 Euro, kommt es zum Unfall, 25 Euro.

Grundsätzlich dürfen Radfahrer auch mit iPod oder MP3-Player Musik hören – vorausgesetzt, das Gehör wird durch zu laute Musik nicht beeinträchtigt. Ist die Polizei der Meinung, dass dies der Fall ist, kostet das zehn Euro.

Auch wer mit dem Rad in eine sich plötzlich öffnende Autotür fährt, hat in der Regel das Recht auf seiner Seite. Autofahrer sind beim Öffnen verpflichtet, darauf zu achten, dass sie niemanden gefährden. Kommt es zu einem solchen Unfall, trägt der Autofahrer daher meist die Schuld. Radfahrer müssen aber einen Mindestabstand von einem Meter zu den parkenden Autos halten. Tun sie das nicht, haben sie eine Mitschuld.

Aber kennen tun diese ganzen Regelungen nur die wenigsten. Und die Zahl derer, die sich daran halten, ist laut Gewerkschaft der Polizei (GdP) noch geringer. Die Verkehrsverstöße von Radfahrern hätten in den vergangenen Jahren sogar stetig zugenommen.

Und erst vor wenigen Wochen plädierte Bernhard Witthaut, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), für höhere Bußgelder und eine Kennzeichnungspflicht für Räder. Es müsse geprüft werden, ob der Bußgeldkatalog für Radfahrer in Zukunft nicht sogar an den für Autofahrer angepasst werden könnte.