Wenn Stefan Krohmer einen Film dreht, dann steckt garantiert sein alter Freund Daniel Nocke dahinter. Der gebürtige Hamburger Nocke, Jahrgang 1968, schreibt seinem drei Jahre jüngeren schwäbischen Freund Krohmer seit ihrem gemeinsamen Abschluss an der Filmakademie Baden-Württemberg regelmäßig die Drehbücher. „Verratene Freunde“ (Mittwoch, 20.15 Uhr, ARD) ist bereits der zehnte Film, andere hießen zum Beispiel „Sie haben Knut“ – fürs Kino 2003 – und das preisgekrönte Biopic „Dutschke“ von 2009.

Herr Krohmer, Herr Nocke, warum gibt es in jedem Ihrer gemeinsamen Filme eigentlich mindestens eine wilde Tanzszene? In „Verratene Freunde“ tanzt Mathias Brandt mit Katja Riemann?

Stefan Krohmer: Weil Katja Riemann eine äußerst leidenschaftliche Tänzerin ist und Matthias Brandt meiner Einschätzung nach eher nicht so, ging es vor allem darum, den Hauptdarsteller ein bisschen zu ärgern, indem wir die Szene häufig wiederholen ließen unter dem Vorwand der Unschärfe. Inhaltlich antizipiert sie natürlich eine Beischlafsituation, die der Szene nachfolgt. Kennt man ja aus Filmen.

Das wäre eine Parallele zu „Basic Instinct“.

Daniel Nocke: Aber die einzige. Dieser Film handelt von den vier Hauptfiguren und den Entscheidungen, die sie in bestimmten Situationen treffen müssen. Entscheidungen, die zwar mit Macht, Freundschaft, Liebe, Politik zu tun haben, aber es handelt sich doch eher um einen Ensemble- und keinen Themenfilm.

Den Sie wie fast jeden ihrer Filme gemeinsam gemacht haben. Funktionieren Sie so am besten?

Krohmer: Wahrscheinlich, aber wir arbeiten ja nicht nur gerne miteinander, sondern wissen auch die Möglichkeit zu schätzen, das kontinuierlich tun zu können.

Nocke: Wobei sich die Zusammenarbeit eher ergibt, als dass wir sie suchen. Aber wenn uns was gemeinsam angeboten wird, gibt es keinen Grund, zu widersprechen. Wir gehören schon zusammen.

Auch privat?

Nocke: So sehr sogar, dass wir zuletzt großer Kritik unserer Fußballmannschaft in Hamburg ausgesetzt waren.

Krohmer: Es hieß, wir würden zu viel miteinander spielen und deshalb andere übersehen, die besser postiert sind.

Nocke: Dabei sind wir klassische Teamplayer; ich gebe lieber noch mal ab, als auf mich gestellt zu sein. Sowohl als Fußballer als auch Autor bin ich fürs Ergebnis ungern allein verantwortlich. Deshalb kann ich mir auch nicht vorstellen, Autor eines Romans zu sein.

Krohmer: Und weil bei uns der Teamgedanke groß geschrieben wird, arbeiten wir gern mit denselben Darstellern, allein viermal mit Anneke-Kim Sarnau. Auch Hans-Jochen Wagner und Hannelore Elsner waren schon zweimal dabei.

Oder die zuvor abgetauchte Katja Riemann. Warum?

Krohmer: Katja hatte mir fahrlässigerweise nach unserem ersten gemeinsamen Film gesagt, dass ich sie jederzeit anrufen könne – auch für die winzigste Rolle. Das hab ich natürlich ausgenutzt. Ihre Figur sollte den Film auf eine sehr emotionale Weise eröffnen und ich war mir sicher, dass Katja das perfekt bringt. Außerdem ist die Rolle ja dann doch tragend in diesem Vierer-Ensemble. Aber ich finde irgendwann noch eine winzige Rolle für sie.

Als Hochschulabsolvent hätten Sie so einen Star abgelehnt.

Nocke: Wahrscheinlich.

Krohmer: Stars haben dafür einen bestimmten Geruch, mit dem sie das Publikum identifiziert – gerade im Fernsehen. Natürlich zieht ein Götz George im Vorspann, aber für „Familienkreise“ haben wir ihn nicht deshalb besetzt, sondern weil er die öffentliche Person darin auch darstellen kann; mit einem unbekannten Schauspieler bliebe das eine Behauptung des Drehbuchs.

Was macht das zu einem guten?

Krohmer: Wenn es nicht diktiert, sondern stimuliert. Die Genauigkeit steckt im Dialog, denn die Art wie Menschen reden, verrät viel über Herkunft und Lebensform; davon lässt sich am Ende sehr klar ableiten, wie sie sich kleiden und einrichten.

Nocke: Mir ist wichtig, dass es keine übergeordnete Moral gibt, keine Urteile oder guten Ratschläge.

Krohmer: Gute Filme liefern höchstens Interpretationsspielräume.

Nocke: Die nicht wie im Deutsch-Leistungskurs nur eine Antwort zulassen. Früher hätte ich sogar unterschrieben, dass Film nicht mal zu eindeutigen Aussagen führen darf; der Hass auf moralisierende Filme hat mich quasi zum Schreiben motiviert. Jetzt, wo ich mit Senioren Fußball spiele, sehe ich das zum Glück gelassener, würde es aber selber nicht machen.

Haben Sie eigentlich eine Präferenz zwischen Fernsehen und Kino?

Nocke: Jede Idee hat ein Umfeld, wo sie am besten aufgehoben ist. Die Idee für einen richtig tollen Fernsehfilm ist jedenfalls nicht weniger wert, nur weil das Kino als höhere Kunstform gilt.

Krohmer: Solange ich im Fernsehen Dinge mache, die mich interessieren, gehe ich an dieses Medium nicht anders ran, als an unsere Kinofilme.

Nocke: Aber die Fallhöhe ist größer. Auch deshalb kriegt Stefan jedes Buch von mir als erster zu lesen, bevor die Entscheidung fällt. Es sei denn, man bucht uns wie bei „Dutschke“ fürs Fernsehen, aber selbst da hatten wir alle Freiheiten.

Wie wäre es mal mit einer Serie?

Krohmer: Im Moment haben wir genug vor, dann kann man mal gucken.

Das Gespräch führte Jan Freitag.

„Verratene Freunde“ läuft am Mittwoch, 20.15 Uhr in der ARD.