Hannover - „Immer eine gute Idee“, wirbt das Land Niedersachsen an seinen Autobahnen seit Jahren für sich. Da müsse er wohl auch mal was beisteuern, dachte sich vermutlich der CDU-Landtagsabgeordnete Martin Bäumer aus der Gegend von Osnabrück und forderte die rot-grüne Landesregierung nun auf, Untersuchungen zur Existenz sogenannter Chemtrails anzustellen.

Chemtrails? Im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung" begründete der 48-jährige Politiker sein eigenartiges Anliegen. „Nur mit einer Untersuchung lässt sich das Thema ein für alle Mal aus der Welt schaffen." In zwei Antworten auf parlamentarische Anfragen von Bäumer teilte ihm das Umweltministerium in Hannover jedoch mit, den Quatsch nicht untersuchen zu wollen. Außerdem war der Regierung das Geld dafür, eine fünstellige Summe, zu schade.

Chemtrail-Theorie existiert seit 20 Jahren

Chemtrails gehören in die wirre Wahnwelt von Verschwörungstheoretikern. Man findet sie im Internet, gerne auch auf Dresdner Pegida-Versammlungen zusammen mit sogenannten Reichsbürgern oder Leuten, die fest davon überzeugt sind, dass Angela Merkel still und heimlich einen Krieg gegen Russland plant. Oder Menschen, die ganz sicher wissen, dass finstere Mächte ihnen vor Jahren Abhörmikrofone in ihre Plomben eingesetzt haben.

Die Anhänger des Chemtrail-Wahns glauben, dass die Kondensstreifen der Flugzeuge am Himmel keine Kondesstreifen sind, sondern Chemikalien, die von US-Militärs versprüht werden, um entweder die Weltbevölkerung zu manipulieren oder sie gleich heimlich zu vergiften. Angeblich geistert die Chemtrail-Verschwörungstheorie schon seit 20 Jahren durchs Internet und hat eine kleine, aber feste Gemeinde.

CDU-Mann Bäumer, der nach eigenen Angaben „Politik mit Herz und Hand“ macht (seinen Kopf erwähnt er nicht), ist enttäuscht über das Nein und die Knauserigkeit der Landesregierung. „Bei einem Gesamthaushalt des Umweltministeriums von 300 Millionen Euro sind das doch Peanuts.“ Dass sich die Landesregierung nun weigere, entsprechende Untersuchungen anzustellen, sorge doch nur für weitere Spekulationen und erwecke den Eindruck, man habe etwas zu verbergen.

Im Brandenburger Landtag hat man sich auch schon mit Chemtrails beschäftigen müssen. Die Linken-Abgeordnete Andrea Johlige hat einmal eine kleine Anfrage zu den Phänomenen am Himmel gestellt und dann von der Potsdamer Regierung erfahren, man habe „ keine Hinweise“ auf Chemtrails. Auch deutsche Gerichte haben sich schon mt dem Humbug befassen müssen. Eine Zivilkammer des Berliner Landgerichts entschied 2012, dass der Wettermoderator Jörg Kachelmann die Anhänger der Giftwolken-Theorie ungestraft „Neonazis und Verrückte“ nennen dürfe.

Keine gute Idee

Aber so etwas erschüttert die Szene der Gläubigen nicht, das hat man auch im Brandenburger Landtag erfahren. In der Verschwörungslogik der Chemtrailer sind Regierungen, Forschungsinstitute und wohl auch Wettermoderatoren Teil des großen bösen Systems, das sich verschworen hat, das Volk zu belügen, kleine Anfragen falsch zu beantworten und dann weiter die Menschheit zu vergiften.

„Ein für allemal aus der Welt schaffen“, wie Bäumer fordert, würde nur funktionieren, wenn alle Beteiligten auch in derselben Welt lebten. Und nicht die einen im Osnabrücker Land, die anderen in wirren Paralleluniversen. Also: Keine gute Idee aus Niedersachsen, diesmal.