Diese SPD-Frau erfüllt einige ganz entscheidende Grundbedingungen: Sie stammt aus Ostdeutschland, sie ist für SPD-Verhältnisse jung, sie hat als ehemalige brandenburgische Generalsekretärin reichlich Parteierfahrung, vor allem aber gilt sie als äußerst klug, als versiert – und ist skandalfrei.

Klara Geywitz, vor 43 Jahren in Potsdam geboren, will gemeinsam mit Bundesfinanzminister Olaf Scholz künftig die deutsche Sozialdemokratie aus ihrer schwersten Krise in der Nachkriegsgeschichte führen – als Tandem, wie sie es am Dienstag nannten. „Wir beide stehen für eine demokratische Zuversicht. Unsere Antwort auf den rasanten Wandel müssen wieder mehr Zuversicht und zugleich Sicherheit sein.“

Woidke setzte sich für Duo Scholz/Geywitz ein

Scholz, der sich nach sehr langem Zögern als einziger aus der aktuellen obersten Parteiführung doch noch zur Kandidatur durchgerungen hat, ist damit ein guter Schachzug gelungen. Denn es wird nur wenige in der Partei geben, die etwas gegen die diplomierte Politologin haben könnten. Kaum war die Nachricht am Dienstagnachmittag offiziell bestätigt, teilte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) mit: „Ich habe mich persönlich für dieses Team eingesetzt und freue mich, dass die beiden gemeinsam an den Start gehen wollen. Es ist eine exzellente Bewerbung.“

Geywitz' Kampf für die Reform

Das sagt Woidke, obwohl Geywitz im November 2017 als seine Generalsekretärin zurückgetreten war. Sie hatte vehement für die Kreisgebietsreform des Ministerpräsident gekämpft, doch der hatte diese sehr überraschend abgesagt, ohne sie zu informieren. Das sah sie auch ein wenig als Missachtung ihres Kampfes für die Reform an – die Mutter dreier Kinder will also eine Überzeugungstäterin im positiven Sinne sein.

Geywitz genießt Ansehen

In der Potsdamer Politik heißt es, sie ist eine Frau, die nicht nur sehr gut Bescheid weiß über die Brandenburger Politik und die im Bund, sondern auch über die Mechanismen der Macht. „Sie weiß, wie Politik funktioniert“, heißt es. Sie kann Sachverhalte sehr schnell durchdenken und ist zudem ein gute Rednerin. Manche sagen auch: Geywitz wäre als einfach Abgeordnete im Landtag auf Dauer klar unterfordert.

Geywitz sitzt bereits im Bundesvorstand ihrer Partei, ist also innerhalb der SPD nicht unbekannt. Ihr einziger offensichtlicher Nachteil: Sie gilt als analytisch und recht trocken. Anderseits kann das auch von Vorteil sein, denn auch Scholz ist eher der nüchterne Typ. Und da würde sie ihm nicht die Show stehlen, sondern wäre ein Partnerin, die es schätzt, wenn sich alle an Absprachen halten.