Die Tür war zu. Der Täter kam nicht rein. Die durch Beschuss beschädigte Tür der Synagoge Halle.
Foto: dpa/Hendrik Schmidt

Berlin - Er wollte ein Blutbad in der Synagoge von Halle anrichten, dieser kleine Nazi und Wichtigtuer. Er wollte von der globalen Szene bewundert werden für die Zahl der Toten, die er zu erschießen entschlossen war. Er wollte Juden umbringen, die zählen doppelt, weil sie an der Spitze des vermeintlich Bösen in der Welt stehen. Er wollte so berühmt und gefeiert werden wie der Mörder von Christchurch in Neuseeland, der 51 Muslime ermordet hat. Aber Mist, das mit der Synagoge in Halle hat nicht geklappt. Der Nazi kam nicht rein. Die Tür war zu. Damit überhaupt eine Nachricht aus seiner Aktion wird, hat er dann zwei andere Menschen erschossen. Jetzt steht er vor Gericht, und da hat er nun ein Publikum. Kläger, Nebenkläger, Staatsanwaltschaft, Gericht und viele Zuschauer nehmen ernst, was er getan hat. Und er, der kleine Versager, sitzt da und grinst. Er redet stundenlang seine Nazisprüche rauf und runter, nur unterbrochen von den Fragen der Richterin. Noch erschreckt ihn der Prozess nicht, nicht die Konsequenzen, falls er schuldig gesprochen wird. Noch sieht er sich auf der Bühne, auf der er seinem Versagen im Leben im Nachhinein noch einen Sinn abringen will.

Deutschland bekommt den Rechtsterrorismus nicht in den Griff. Nicht mit dem permanenten Täterverständnis, wenn es um Rechtsextremismus geht. Und auch nicht damit, solche Versager wie den Täter von Halle, nicht gleich ernst zu nehmen. Jede dieser ins Netz gestellten Vernichtungs- und Mordfantasien ist eine potenzielle Ankündigung. Die Behörden müssen sich die Mühe machen, die Netzwerke, die Eskalation des Hasses und die Bedrohungslage besser zu analysieren. Sonst wird das nichts.

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