Der Hauptverdächtige Stephan E. wird in den Gerichtssaal gebracht.
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BerlinBei der Befragung des mutmaßlichen Lübcke-Mörders Stephan E. interessierte sich das Gericht am Montag auch noch einmal für das Agieren seiner beiden früheren Anwälte Dirk Waldschmidt und Frank Hannig. Beide Pflichtverteidiger sind inzwischen aus dem Verfahren ausgeschieden.

Insbesondere für Hannig könnte sich das zwischenzeitliche Mandat noch bitter rächen. Denn stimmt es, was der Angeklagte über ihn jetzt vor Gericht aussagte, könnte Hannig ein Strafverfahren drohen. E. hatte angegeben, dass Anwalt Hannig sich seine Schilderung zum Tatablauf angehört und ihm danach empfohlen habe, die Schuld auf H. zu schieben und zu behaupten, dieser habe den tödlichen Schuss auf Lübcke abgegeben. So tat es der Angeklagte dann auch bei einer richterlichen Vernehmung im Januar, in der er sein ursprüngliches Geständnis vom Juni 2019 widerrief.

Das Gericht hatte bereits am vergangenen Mittwoch, als der Angeklagte diesen Vorgang erstmals schilderte, genauer nachgefragt. Und es tat dies noch einmal am Montag. Tatsächlich sind E.s Angaben dazu von großem Belang: Denn sollte Anwalt Hannig seinen Mandanten dazu überredet haben, wider besseres Wissen den Mitangeklagten H. als Todesschützen zu beschuldigen, wäre das Anstiftung zur falschen Verdächtigung – und das ist nach Paragraf 164 Strafgesetzbuch strafbar. Den Anwalt selbst kann das Gericht dazu aber wohl nicht befragen. E.s aktueller Verteidiger Mustafa Kaplan kündigte bereits an, Hannig nicht von seiner anwaltlichen Verschwiegenheitspflicht entbinden zu lassen.

Der wegen seiner Pegida-Nähe umstrittene Dresdner Rechtsanwalt Hannig war vor zwei Wochen auf Antrag seines Mandanten vom Gericht entpflichtet worden. Als Grund wurde ein zerrüttetes Vertrauensverhältnis angegeben. Anlass waren Beweisanträge Hannigs, die nicht mit E. und dessen zweiten Verteidiger, Mustafa Kaplan, abgestimmt waren und das Mordopfer ins Zwielicht rücken sollten.

Hannig hatte bereits Ende Juni 2019 das Mandat von E.s erstem Pflichtverteidiger Dirk Waldschmidt übernommen. Der rechte Szeneanwalt aus Osthessen war in der Vergangenheit unter anderem stellvertretender NPD-Landesvorsitzender. Auch Waldschmidts Agieren wirft Fragen auf: So gab E. vor Gericht an, der Anwalt habe ihn damals gebeten, den jetzt Mitangeklagten Markus H. „aus der Geschichte“ herauszuhalten. Der Jurist habe ihm im Gegenzug versprochen, die rechte Szene würde sich um finanzielle Dinge kümmern und unter anderem die Raten für das Wohnhaus der Familie übernehmen. Diese finanzielle Unterstützung sei aber ausgeblieben, so E.