Was machen Willi, Enola, Sadira und Rumba? Sie spielen, klettern und vermehren sich – wenn man sie lässt: Willi ist ein Kater, die anderen drei sind Katzen. Zusammen sind sie das Lebendkapital von Jacqueline L. aus Spandau. Die 41-Jährige lebt davon, die Tiere zu züchten und die Kätzchen zu verkaufen: für 500 bis 700 Euro pro Stück.

Das Problem: Willi, Enola, Sadira und Rumba sind sogenannte Nacktkatzen. Sie gehören der Rasse der Canadian Sphinx an, einer Züchtung haarloser Tiere. Vor anderthalb Jahren wurde Jacqueline L. vom Veterinäramt Spandau dazu aufgefordert, Kater Willi zu kastrieren und damit die Zucht zu beenden. Grund: Nacktkatzen seien eine Qualzucht, sie litten unter ihrer Haarlosigkeit.

Jacqueline L. sah ihr Geschäftsmodell bedroht und legte Widerspruch dagegen ein. So landete der Fall vor dem Verwaltungsgericht. Am Mittwoch war Verhandlung.

Laut Paragraf 11b des Tierschutzgesetzes ist es verboten, Wirbeltiere zu züchten, wenn bei diesen „mit Leiden verbundene erblich bedingte Verhaltensstörungen auftreten“, oder „die Haltung nur unter Schmerzen oder vermeidbaren Leiden möglich ist oder zu Schäden führt“. So weit, so interpretationsfähig.

„Meinen Katzen geht’s doch gut“

Zum Beispiel im Fall der Canadian Sphinx. Die eigentümlich aussehenden Tiere gelten einerseits als anhänglich und verschmust, aber auch als lebhaft und laut. Andererseits sind Nacktkatzen eingeschränkt, können sich nicht frei draußen bewegen. Die Haut ist empfindlich, es drohen Sonnenbrand und sogar Tumore. Zudem fehlen oft die Schnurr- oder Tasthaare, die Vibrissen. Mit diesen Vibrissen kommunizieren die Katzen nicht nur, sie finden sich damit auch im Dunkeln zurecht, stoßen nirgends an.

Gutachter vor Gericht war Thomas Gläser, Kleintierarzt mit Großpraxis in Wilmersdorf. Er untersuchte Enola, Sadira, Rumba und Willi. Ja, sie machten einen gesunden und munteren Eindruck. Ein Leiden sei nicht erkennbar, sagte er. Nein, keines der Tiere habe Tasthaare gehabt. Da diese aber Sinnesorgane seien, liege objektiv ein Schaden vor, so Göbel. Dies sei vergleichbar mit einem Menschen ohne Geruchssinn. Dieser könne das im Alltag kompensieren, aber es bleibe eine Einschränkung.

Am Ende sah es das Gericht genauso. Jacqueline L.s Widerspruch wurde abgewiesen. Es liege Qualzucht vor, weil den Tieren ohne Tasthaare ein Sinnesorgan fehle. Also hätten sie Schäden. Das dürfe nicht in die nächste Generation weitergegeben werden. Die Aufforderung zur Kastration von Willi sei rechtens.

Jacqueline L., eine von vielleicht einem halben Dutzend Nacktkatzenzüchtern in Berlin, will um ihre Einnahmequelle kämpfen und notfalls durch die Instanzen gehen. „Meinen Katzen geht’s doch gut“, sagt sie. Ein Verbot sei diskriminierend.