Washington - Soviel zumindest steht fest: Die Militärparade am französischen Nationalfeiertag hat Donald Trump ausgezeichnet gefallen. „Das war super-duper“, schwärmt der amerikanische Präsident in einem Interview mit der New York Times. „200 Flugzeuge über unseren Köpfen“ (nun ja, es waren 63), „rund hunderttausend verschiedene Uniformen“ (offiziell nahmen 3720 Soldaten teil) und zahllose Musikbands: „Das war eine unglaubliche Sache“, berichtet er.

Ansonsten aber wirkt die Erinnerung Trumps an seine beiden Europareisen – erst nach Warschau und zum G20-Gipfel nach Hamburg, dann nach Paris – merkwürdig verzerrt. Dass er in Polen die größte Rede hielt, „die je ein Präsident gehalten hat“, mag man noch als übliche Übertreibung durchgehen lassen. Und dass Trump glaubt, er habe in der Elbphilharmonie eine Oper gehört (es wurde Beethovens Neunte gegeben), könnte mit dem Schlusschor der Sinfonie zusammenhängen.

Etwas kurioser ist schon, dass der US-Präsident Napoleon Bonaparte und seinen Neffen Napoleon III für dieselbe Person hält. Etwas Ähnliches war ihm schon mit der nordkoreanischen Kim-Dynastie passiert, die er zu einem „Gentleman“ zusammenfasste. Nun lobte er, wie herrlich Napoleon die Stadt Paris angelegt habe und dass er lediglich den Fehler machte, erst im Winter in Russland einzumarschieren. Tatsächlich beauftragte erst Napoleon III 1853 den Baumeister Georges Eugène Haussmann mit der Gestaltung der Metropole. Napoleon Bonaparte hingegen war 1812 in Moskau einmarschiert – allerdings nicht im Winter, sondern im September. Er starb 1821 auf St. Helena.

Ist es der Jetlag nach den anstrengenden Flügen? Oder liegt es an der augenblicklichen Hitzewelle in Washington, die das Thermometer täglich bis an die 40-Grad-Marke herantreibt? In dem 50-minütigen Gespräch jedenfalls bleibt es nicht bei historischen Ungenauigkeiten. Höchst interessant ist, wie Trump, dem man einen Hang zum Narzissmus kaum absprechen kann, seine Gesprächspartner wahrgenommen hat.

„Wir haben eine sehr gute Beziehung“

Mit Kanzlerin Angela Merkel läuft angeblich alles Bestens. „Wir haben eine sehr gute Beziehung“, lobt der Präsident und berichtet dann, die CDU-Chefin habe ihn neulich angerufen und gesagt: „Wir kommen gut miteinander aus.“ Darauf habe er geantwortet: „Ja, das tun wir. Aber Sie müssen mehr Geld bei der Nato einzahlen. Punkt eins. Und Punkt zwei: Unser Ungleichgewicht im Handel ist absurd.“ Leider schildert Trump Merkels Antwort nicht.

Möglicherweise ist ihm bei dem Telefonat das eine oder andere entgangen. Oder er hat es einfach anders erlebt – wie die Begegnung mit dem französischen Premierminister Emmanuel Macron. Gleich bei der Begrüßung hatte er der 64-jährigen Ehefrau des Staatschefs bescheinigte, dass sie „gut in Schuss“ sei, was der Bauunternehmer wohl für ein Kompliment hielt. Nun äußert er sich ähnlich merkwürdig über ihren Mann. Macron sei „ein großartiger Typ“, lobt Trump: „Klug. Stark. Er liebte es, meine Hand zu halten.“

Exzessives Händeschütteln

Nun ist Trumps Neigung zum exzessiven Händeschütteln bei vielen Regierungschefs gefürchtet. Aber Händchenhalten? Trump insistiert auf dieser Schilderung. Ungefragt sagt er kurz darauf: „Die Leute haben es nicht bemerkt, dass er es liebt, meine Hand zu halten.“ Und dann noch einmal: „Er liebt es, meine Hand zu halten.“ Brigitte Macron hätte inzwischen mehr als einen Grund für eine undiplomatische Antwort.

Das gilt noch mehr für Akie Abe, die Ehefrau des japanischen Premierministers Shinzo Abe. Neben der saß Trump beim Abendessen des G20-Gipfels in Hamburg. Offenbar gefiel ihm das weniger. Zwar nennt er sie „eine großartige Frau“, schildert dann aber doch ziemlich ungalant, es sei „hart“ gewesen, knapp zwei Stunden auf dem Platz auszuharren. Der Grund: „Sie spricht kein Englisch.“ Ungläubig fragen die Reporter der New York Times nach: „Gar nicht?“ Trump antwortet: „Nicht einmal ‚Hallo‘“.

Nun rätseln die Beobachter in Washington, ob die Phantasie endgültig mit dem Präsidenten durchgegangen ist oder Japans First Lady einfach keine Lust auf Small Talk mit dem ungehobelten Unternehmer hatte. Jedenfalls wird ein Video aus dem September 2014 gerade zum Internet-Hit. Dort hält Akie Abe eine 15-minütige Rede bei der Ford Foundation in New York – auf Englisch.