Victoria's Secret: Prostitution, Mobbing, Belästigung?

Die New York Times erhebt schwere Vorwürfe gegen den Besitzer von Victoria’s Secret. Mehrere Models berichten von Fällen sexueller Belästigung bei der US-Dessous-Marke Victoria's Secret. Es soll auch eine Verbindung zu Jeffrey Epstein geben.

New York-Die New York Times erhebt in einem Bericht schwere Vorwürfe gegen den Besitzer des amerikanischen Dessous-Labels „Victoria’s Secret“ (VS) und belegt diese mit zahlreichen Interviews ehemaliger Angestellter und Models. Demnach soll Les Wexner (82) sein Unternehmen mit einer „Kultur von Frauenfeindlichkeit, Mobbing und Belästigung“ geführt haben. Drahtzieher sei Wexners langjährige rechte Hand, Ed Razek (71), gewesen.

Les Wexner (l.), Chef von Victoria’s Secret, und seine rechte Hand Ed Razek bei einer Veranstaltung im Jahr 2016.
Les Wexner (l.), Chef von Victoria’s Secret, und seine rechte Hand Ed Razek bei einer Veranstaltung im Jahr 2016.Getty Images/Astrid Stawiarz

In der New York Times berichtet unter anderem das Supermodel Bella Hadid (23), von Razek belästigt worden zu sein. Bei eine Modenschau 2018 habe er sie, während sie sich umzog, aufgefordert: „Lass den Schlüpfer weg!“ Um dann laut die Frage in den Raum zu werfen, ob es die TV-Sender wohl erlauben werden, dass Hadid „den Laufsteg mit diesen perfekten Titten runterläuft“. Ein anderes Model, Andi Muise (33), behauptet, Razek habe sie vor die Wahl gestellt: Entweder ein intimes Treffen mit ihm oder das Ende der Karriere! Als Muise ablehnte, soll sie 2005 ihren letzten Auftritt als VS-Model gehabt haben.

„Ich hatte das Gefühl, in der Hölle zu sein.“

Laut New York Times hatte Les Wexner jahrzehntelang Beschwerden von Mitarbeiterinnen und Models gegen Razek ignoriert. Und als wäre dieser Skandal nicht schon schlimm genug, soll Wexner über Jahre tatenlos dabei zugesehen haben, wie der verurteilte Pädophile und Sexualstraftäter Jeffrey Epstein versuchte, VS-Models als Sexsklavinnen zu rekrutieren. Ein Model, das von Epstein angesprochen wurde, wird in der New York Times so zitiert: „Es war ein Casting für Prostituierte. Ich hatte das Gefühl, in der Hölle zu sein.“

Zudem soll Wexner mit Epstein eine lange Geschäftsbeziehung verbunden haben – er hatte ihm unter anderen die New Yorker Villa verkauft, in der der Hedgefond-Manager Sexpartys mit Minderjährigen feierte. Laut drei ehemaligen, hochrangingen VS-Mitarbeitern in der New York Times sei Wexner bereits Mitte der 90er-Jahre gewarnt worden, dass Epstein mit dem Namen „Victoria’s Secret“ Jungmodels anlockte. Es gebe keinen Beleg dafür, dass Wexner jemals etwas gegen Epstein unternommen hat.

Das Supermodel Bella Hadid berichtet in der New York Times, von Ed Razek belästigt worden zu sein
Das Supermodel Bella Hadid berichtet in der New York Times, von Ed Razek belästigt worden zu seinImago Images

Razek hatte als Marketingchef 27 Jahre die „Victoria’s Secret Angels“ ausgewählt. Er trat nach einem öffentlichen Shitstorm im vergangenen Sommer zurück, weil er keine Übergrößen- oder transsexuelle Models für die jährliche Fashion Show anheuern wollte. Zu den Vorwürfen der New York Times wollte er sich den Angaben zufolge nicht äußern, sondern soll stattdessen nur erklärt haben: „Die Behauptungen in dieser Meldung sind kategorisch unwahr, falsch ausgelegt oder aus dem Zusammenhang gerissen.“