Viertklässler schneiden im Ländervergleich schlechter ab

In einer Studie wird bundesweit das Können der Viertklässler untersucht - in Lesen, Zuhören, Rechtschreibung und Mathe. Der Trend geht in Folge der Corona-Pa...

SYMBOLBILD - Stühle stehen in einem Klassenzimmer auf den Tischen.  d/dpa/Symbolbild
SYMBOLBILD - Stühle stehen in einem Klassenzimmer auf den Tischen. d/dpa/SymbolbildSebastian Kahnert/dpa-Zentralbil

Potsdam-Die Viertklässler in Brandenburgs Schulen haben in einem bundesweiten Bildungsvergleich vor allem bei der Rechtschreibung schlecht abgeschnitten. Aber auch beim Lesen, Zuhören und in Mathematik sind sie schlechter als im bundesweiten Durchschnitt. Mit 30,3 Prozent erreichte weniger als ein Drittel der Kinder der vierten Jahrgangsstufen in Brandenburg für 2021 den Regelstandard bei Orthografie im Fach Deutsch, wie eine am Montag von der Kultusministerkonferenz (KMK) vorgestellte Studie zeigt. Nur in Berlin war der Anteil geringer.

Das Brandenburger Bildungsministerium zeigte sich nicht überrascht: Der Rückgang der Kompetenzen von Grundschülern gegenüber den Tests in den Jahren 2011 und 2016 sei erwartet worden, weil die Kinder aufgrund der Schulschließungen wegen der Corona-Pandemie erheblich weniger Unterricht hatten. „Die wochenlangen Schulschließungen und die langen Phasen des eingeschränkten Unterrichts haben negative Folgen, die jetzt auch durch die vorliegende Studie belegt werden“, sagte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD). Daher werde das Programm „Aufholen nach Corona“ unvermindert fortgesetzt.

Der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag, Gordon Hoffmann, ergänzte, neben dem Aufholprogramm sei im Unterricht wieder mehr Zeit für die Grundfertigkeiten Lesen, Schreiben und Rechnen nötig. Der Bildungstrend habe auch deutlich gezeigt, wie wichtig die Sprachförderung bereits im Kindergartenalter sei. „Daher bedarf es auch einer belastbaren politischen Lösung zwischen Bund und Ländern zur Fortsetzung des Sprach-Kita-Programms.“

Die oppositionelle Linke-Fraktion warf Ernst dagegen schwere Fehler vor. „Insbesondere die Entscheidung der Bildungsministerin, in der Corona-Pandemie auf die Abschlussklassen, auf Leistung, auf die stringente Fortsetzung der Bewertung und Prüfungen zu setzen, war definitiv falsch“, sagte deren bildungspolitische Sprecherin Kathrin Dannenberg. „Während die Großen auf Prüfungen getrimmt wurden, saßen die Kleinsten zu Hause und füllten Arbeitsblätter aus.“

Auch der Bildungsexperte der AfD-Fraktion, Dennis Hohloch, übte harsche Kritik. „Bildungsministerin Ernst hat durch zu lange Schulschließungen und unzulängliche Aufholprogramme die Voraussetzungen für unsere Schüler verschlechtert“, meinte er und forderte ein Umsteuern in der Bildungspolitik. „Wir müssen uns in der Grundschule nicht auf die erste Fremdsprache, sondern auf die Erlernung von Grundfertigkeiten in Basisfächern wie Deutsch und Mathematik konzentrieren.“

45,7 Prozent erreichten in Brandenburg den Mindeststandard nicht. Deutschlandweit kamen 44,4 Prozent der Kinder auf den Regelstandard und 30,4 Prozent erreichten den Mindeststandard nicht. Fünf Jahre zuvor schafften noch 50,7 Prozent in Brandenburg den Regelstandard, nur 23,2 Prozent erreichten den Mindeststandard nicht.

Für den Bildungstrend des Instituts für Qualität im Bildungswesen wird der Stand bei Schülerinnen und Schülern im Abstand von fünf Jahren repräsentativ untersucht. An fast 1500 Schulen in Deutschland wurden zwischen April und August 2021 etwa 27 000 Viertklässler getestet - in Lesen, Zuhören, Rechtschreibung und Mathematik. Im Juli waren die Zahlen für ganz Deutschland vorgestellt worden, nun folgte ein Ländervergleich.

In Mathematik sieht es in Brandenburg etwas besser aus: Hier erreichten 46 Prozent der Viertklässler den Regelstandard. Der bundesweite Durchschnitt liegt allerdings bei 54,8 Prozent und die Entwicklung verlief auch hier negativ. Fünf Jahre zuvor hatten in Brandenburg noch 63 Prozent der Kinder den Regelstandard erreicht. 29,2 Prozent kamen in Brandenburg nicht auf den Mindeststandard - bundesweit waren es 21,8 Prozent. 2016 lag der Wert in Brandenburg bei 14,7 Prozent.

Auch beim Lesen und Zuhören schnitten die Viertklässler in Brandenburg nicht so gut wie im Bundesdurchschnitt ab und die Werte verschlechterten sich im Vergleich zu vor fünf Jahren. Beim Lesen kamen in Brandenburg laut Umfrage 51,3 Prozent der Kinder auf den Regelstandard, nur in Berlin und Bremen waren es weniger. 21,6 Prozent erreichten in Brandenburg den Mindeststandard nicht. Beim Zuhören kamen 51,9 Prozent der Brandenburger Kinder auf den Regelstandard, 22,5 Prozent erreichten den Mindeststandard nicht.

Der Vergleich mit der Studie des Jahres 2016 zeigte, dass die Grundschulkinder zunehmend Mathe- und Deutschprobleme haben und über die Jahre in ihren Kompetenzen zurückfallen. „Die ungünstigsten Entwicklungen sind dabei in allen Kompetenzbereichen in Brandenburg zu beobachten“, heißt es in der Untersuchung zu Lesen, Orthografie und Zuhören. Hier hätten sich die Anteile der Schülerinnen und Schüler, die den Mindeststandard nicht erreichen, in den vergangenen fünf Jahren etwa verdoppelt. In Mathematik seien die Anteile in Berlin, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen durchgehend signifikant ungünstiger ausgefallen als bundesweit.

Das Brandenburger Bildungsministerium kritisierte das Verfahren der Testung, das die Ergebnisse in den Ländern verzerrt habe. So seien die Tests in Brandenburg nach einer zweimonatigen kompletten Schulschließung mitten in einer Phase des Wechselunterrichts erfolgt. In anderen Ländern sei dies zu einem späteren Zeitpunkt mit bereits längerem Präsenzbetrieb erfolgt. Wegen der Bedeutung der Studie habe sich Brandenburg aber gegen einen Abbruch entschieden. „In der Zukunft muss sichergestellt werden, dass die Testungen in den Bundesländern unter vergleichbaren Bedingungen stattfinden“, forderte Ernst.