Virginia Roberts Giuffre spricht im Fall Epstein mit Journalisten vor einem Gericht in Manhattan. Die US-Amerikanerin Giuffre behauptet, sie sei als 17-Jährige dreimal zu Sex mit Prinz Andrew gezwungen worden.
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London/Oslo/New York"Dies ist keine schmutzige Sexgeschichte. Dies ist eine Geschichte von Menschenhandel, von Missbrauch und dies ist eine Geschichte, die von euren Royals handelt.“ Diese Worte wählte Virginia Giuffre in einem am Montagabend ausgestrahlten BBC-Interview, in dem sie erstmals ausführlich ihre Version der Ereignisse erzählte. Die Amerikanerin ist eines der Opfer des mittlerweile toten US-Geschäftsmanns Jeffrey Epstein. In dem Interview erneuerte Giuffre ihre schweren Vorwürfe gegen den britischen Prinzen Andrew. Dreimal sei sie zum Sex mit dem Sohn von Königin Elizabeth II. gezwungen worden, zweimal davon als 17-Jährige.

Giuffre, die früher Roberts hieß, wandte sich direkt an die britische Öffentlichkeit, „das nicht als okay zu akzeptieren“ und ihr zu helfen, diesen Kampf zu kämpfen. Damit gerät Prinz Andrew noch tiefer in den Strudel des Skandals. Auch wenn der Lieblingssohn der Queen seine öffentlichen Aufgaben für das Königshaus bis auf Weiteres bereits abgab, wandele sich der Epstein-Skandal für Andrew zu einer „endlosen Horror-Show“, wie ein Kommentator meinte. Erst vor knapp zwei Wochen hatte Prinz Andrew seine Sicht der Dinge geschildert. Das Interview sollte ein Befreiungsschlag werden, doch es entwickelte sich zum PR-Desaster für den 59-Jährigen. Es löste so viel Empörung und vernichtende Kritik aus, dass Andrew am Ende seine Repräsentantenrolle für das Königshaus aufgeben musste.

Prinz Andrew gilt als Lieblingssohn der Queen und als mutiger Kriegsheld. Aber auch als Playboy, der schon in etliche Skandale verwickelt war. Derzeit hat er mit dem wohl schwersten zu kämpfen – dem Missbrauchsfall Jeffrey Epstein.
Virginia Giuffre äußerte sich im Interview „angewidert“ über ihre damaligen Begegnungen mit dem Prinzen. Er sei ein „grässlicher“ Tänzer und schwitze stark. Sie habe sich nur auf ihn eingelassen, weil Epstein das von ihr erwartet hätte.

Andrews Auftreten während seines Interviews und das von Giuffre hätten unterschiedlicher kaum sein können. Hier der privilegierte, von der Realität entrückte und arrogant erscheinende Herzog von York vor der Kulisse des Buckingham-Palasts, der sich weder an eine Begegnung mit der blonden Frau noch an das mittlerweile berühmte Foto von ihm und der damals 17-Jährigen erinnern kann und mit äußerst bemerkenswerten Erklärungen aufwartet. Dort die emotionale Giuffre, der bei der Erinnerung an damals immer wieder die Stimme stockt, einmal die Tränen über die Wangen laufen. Deren Stimme zittert, wenn sie davon erzählt, wie sie zum Sex mit dem Prinzen gezwungen wurde. „Es dauerte nicht sehr lange, die ganze Prozedur. Es war ekelhaft.“ Um dann ungläubig und noch immer fassungslos unter Schluchzen zu resümieren: „Ich konnte einfach nicht verstehen, wie mächtige Menschen auf der höchsten Ebene der Regierung das zulassen konnten. Es nicht nur zugelassen haben, sondern auch noch daran teilgenommen haben.“

Dies ist keine schmutzige Sex-Geschichte. (...) Dies ist eine Geschichte über Missbrauch.

Virginia Giuffre

Die BBC präsentierte zudem Beweise für einen E-Mail-Verkehr zwischen Andrew und Epsteins damaliger Freundin Ghislaine Maxwell aus dem Jahr 2015. Der Prinz schreibt darin, er habe „einige spezifische Fragen bezüglich Virginia Roberts“. Virginia Roberts, heute Giuffre – jene Frau also, an die sich Andrew vor zwei Wochen partout nicht mehr erinnern konnte.

Es geht jetzt vor allem um die Frage: Wer sagt die Wahrheit? Beobachter sprechen von der größten Krise des Königshauses seit dem Tod von Prinzessin Diana. Wird ein striktes Vorgehen und der Ausschluss von Prinz Andrew aus dem engsten Kreis des Palastes genügen, um die Monarchie vor allzu großem Schaden zu bewahren? Königin Elizabeth II. zeigte sich in den vergangenen Wochen zweimal demonstrativ mit Sohn Andrew. Bislang nehmen ihr die Briten die offensichtliche Unterstützung im Privaten nicht krumm. Doch die Stimmung im Volk, das weiß niemand besser als die Monarchin selbst, kann jederzeit kippen.